Start Themen Downloads Forum _TOP10 Alle Artikel dieser Site
Willkommen bei Die Philosophie PageDie Philosophie Page
Alles, was Philosophen anmacht
[ Essay schreiben ]    [ Link melden ]
Suchen   
[ Suche nach Philosophie im Netz ]
Du bist ein anonymer Benutzer. Du kannst dich hier anmelden   30. 04. 2017  
Verwaltung
· Home
· Anmelden
· Registrieren
· Mitgliederliste

· Impressum
· Kontakt
· über den Autor

Recherche & Wissen
 ·  Ressourcen und Links
 ·  Lektüreliste
 ·  Buchempfehlungen
 ·  Suche

Unterhaltung
 ·  Rätsel

Readings
 ·  Systematischer Index

Philosophen:
 ·  Adorno
 ·  Aristoteles
 ·  Davidson
 ·  Eigen
 ·  Goodman
 ·  Mill
 ·  Platon
 ·  Rawls
 ·  Sokrates
 ·  Weizsäcker
...alle anzeigen

Themen:
 ·  Ethik
 ·  Evol. Erkenntnistheorie
 ·  Globalisierung
 ·  Kommunitarismus
 ·  Konnektionismus
 ·  Kooperation
 ·  Kybernetik
 ·  Liberalismus
 ·  Spieltheorie
 ·  Universalienstreit
 ·  Utilitarismus
 ·  Wissenschaftstheorie
...alle anzeigen


 ·  Download Readings

Community
 ·  Gästebuch
 ·  Foren
 ·  Chat
 ·  Eure Essays
 ·  Newsletterabo

Weitere Webprojekte
 ·  WIS
 ·  Widerspruch

Universalienstreit - mit Bibliografie
Freigegeben von: Wolfgang Melchior am 22. 08. 2003
Der Universalienstreit

Schema

1. Verteilung:
Fragen: Was sind die Subjekte meines Verteilungsschemas:
1. 1. Klasssische Ökonomie (seit Smith): Individuen (bzw. Haushalte) als sog. Wirtschafsteinheiten
Methode: methodischer Individualismus
1.2. Dagegen: Heutige Soziologie: Gruppen, ethnic unities
Methode: Kommunitaristischer Holismus

2. Ontologisch: Platonismus/Universalismus Nominalismus
2.1. Klärung: Was ist (eine) Ontologie?
2.2. Historisch: Gibt es Universalien: Sind Begriffe Namen für abstrakte Entitäten oder nur mentale Konzepte in unseren Köpfen? Der Streit zwischen Duns Scotus und Wilhelm von Ockham als Platonismus vs. Konzeptualismus (objektive Entitäten oder subjektive Konzepte)
2.2. Heute: Platonismus Konzeptualismus Nominalismus
Motivationen der Nominalisten: Entmystifizierung der Welt, Vermeidung der Russellschen Mengenantinomien
- Type (Typ)-token (Inschriften) Unterschied
- Logischer Nominalismus (Mereologie) vs. intensionaler oder extensionaler Platonismus
- Unvollständige Variablen und offene Sätze als Ansatz des Nominalisten
- Ausdrucksmittel der beiden Systeme (siehe PhiloTour 4.)
- Singuläre vs. generelle und konkrete vs. abstrakte Terme
- Teil-Ganzes vs. Element-Menge (Mereologie vs. Klassenlogik)
- Extension vs. Intension
- Der Dingbegriff des Nominalisten: Das Grüne entspricht der Summe aller grünen Gegenstände; Grenzen eines mereologischen Systems: Verlust von Unterschieden (Quinesches Quadratbeispiel)
- Klassifikationsprobleme: Gleichheit (reflexiv, symmetrisch, transitiv) ist stark; dagegen Ähnlichkeit (reflexiv, symmetrisch, intransitiv) sehr schwach zur Ordnung von Dingen zu Klassen oder Ganzen
Bottom line: Armut des Nominalismus, aber Einfachheit seines Universums (siehe Ockhams Rasiermesser)

3. Verbindung zwischen Universalienstreit und soziologischen Modellen
Holismus Atomismus/Individualismus

4. Ethisch: Partikularismus Universalismus

Die Kreuzung von Universalismus: Individualuniversalismus und Gruppenuniversalismus



Addendum Kritik des Individualismus:
„We are distinct individuals first, and then (circumstances permitted) we form relationships and engage in co-operative arrangements with others“ (Sandel (1982): Limits.., p. 53



Literatur:

1.Universalienstreit
1.1. Systematisch
1.1.1. Primärliteratur
- Russell, Betrand: Probleme der Philosophie, Frankfurt Suhrkamp 1967, [vor allem Kap. 9 und 10; guter Einstieg, um sich ein Verständnis von Universalien und der damit verbundenen philosophischen wie logischen Problemen zu verschaffen]
- Russell, Betrand: über das Kennzeichnen [On Denoting (1905)], in: Philosophische und politische Aufzätze. Hg. v. U. Steinvorth. Stuttgart Reclam 1971, S. 3-22 [dort behandelt Russell das Problem, welches sich aus der platonistischen Bedeutungstheorie ergab: dort wurden sämtliche Prädikate (ob abstrakt oder nicht) als Namen irgendwelcher Objekte aufgefaßt; Russell dagegen interpretiert solche Ausdrücke als sog. synkategorematische Ausdrücke, die nur innerhalb von sog. Komplexen (oder Kontexten) ein?n Sinn ergeben (siehe auch PhiloTour 4.)]
- Russell, Betrand: Der logische Atomismus [Logical Atomism (1924)], in: Philosophische und politische Aufzätze. Hg. v. U. Steinvorth. Stuttgart Reclam 1971, S. 23-51
- Russell, Bertrand: Language and Metaphysics, in: An Inquiry into Meaning and Truth, chap. XXV, London Allan Unwin 1980, p. 341-347 [dort vertritt Russell eine nominalistische Position, die als einzige nicht wegerklärbare Universalie die der Ähnlichkeit übrigläßt]
- Goodman, Nelson/Quine, Wiilard V. O.: Steps Towards a Constructive Nominalism, in: Journal of Symbolic Logic, 12 (1947), S. 105-122 [der Versuch eine rein nominalistische Logik zu entwerfen]
- Quine, Willard V. O.: Logic and the Reification of Universals, in: Quine, W.V.O., From a Logical Point of View, Harvard Uni. Press 1953, p.102-129
- Quine, Willard V. O.: Identity, Ostension, and Hypostatsis, in: Quine, W.V.O., From a Logical Point of View, Harvard Uni. Press 1953, p. 65-79 [dort findet sich ein anschauliches Beispiel für das Versagen mereologischer-nominalistsischer Universen; kurz beschrieben auch in: Stegmüller (1995), S. 88/89]
- Wittgenstein, Ludwig: Tractatus logico-philosophicus, Frankfurt Suhrkamp 1963 [das klasssiche Werk des logischen Atomismus]
- Wittgenstein, Ludwig: Philosophische Untersuchung, in: Werkausgabe, Bd. 1, Frankfurt Suhrkamp 6. Aufl., 1989, S. 224- 580 [die Sprachspieltheorie der Bedeutung; Regelfogeparadoxa u.a.; Begriff der Familienähnlichkeit: ?? 66-79]

1.1.2. Sekundärliteratur
- Stegmüller, Wolfgang: Der Universalienproblem einst und jetzt, in: Glauben, Wissen und Erkennen, Darmstadt 1965, S. 49-118 [Ein Artikel, der aus historischer wie moderner prädikatenlogischer (und beweistheoretischer) Sicht den Universalienstreit beleuchtet; technische Teile können ohne Verlust eines Gesamtverständnisses überlesen werden]
- Nominalismus/Platonismus, in: Speck, Josef (hg.): Handbuch wissenschaftstheoretischer Begriffe, Bd. 2 (G-Q), S. 447-551 [hervorragender, aber für Newbies nicht unbedingt einfacher Einstieg]

1.2. Historisch:
1.2.1.Primär:
- Platon: Der Staat [Politeia], in: Platon, Sämtliche Werke, übers. V. F. Schleiermacher, hg. v. W.F. Otto/E. Grassi et al., Bd. 3, Hamburg Rowohlt 1984, S. 67-310 [Der Staat ist das klassische Werk der Sozialphilosophie und ist dem Thema der (Verteilungs)Gerechtigkeit gewidmet; die erkenntnistheoretische relevanten Passagen finden sich von 504 a 3 - 533 mit den drei berühmten Gleichnissen: Linien-, Sonnen- und Höhlengleichnis]
- Ockham, William of: Ordinatio, I, dist. 2, q. 6.( [QUESTION 6: WHETHER THE UNIVERSAL IS REALLY OUTSIDE THE SOUL, NOT REALLY DISTINCT FROM THE INDIVIDUAL?) [der Text, in dem der Franziskanermönch sich vom Platonismus seines Lehrers Duns Scotus distanziert]
- Berkeley, George [1713]: Three Dialogues between Hylas and Philonous, http://pespmc1.vub.ac.be/text/berkeley/berkdial.htm
- Berkeley, George: Principles of Human Knowledge, http://pespmc1.vub.ac.be/text/berkeley/berkprin.htm [Berkeley vetritt in beiden Werken zum ersten Mal in der abendländischen Geistesgeschichte die Theorie, daß generelle Prädikatausdrücke nicht durch ihre Regefrenz auf irgendwelche Entitäten [ideas], sondern durch ihren Gebrauch bestimmt ist]
- Wittgenstein (siehe oben)

1.2.2. Sekundärliteratur
- Stegmüller, Wolfgang: Der Universalienproblem einst und jetzt, in: Glauben, Wissen und Erkennen, Darmstadt 1965, S. 49-118 [Historisches findet sich im Kapitel 3]
- Occam?s Razor, in: Principia Cybernetica Web, http://pespmc1.vub.ac.be/OCCAMRAZ.html [eine vorzügliche WebEnzyklopedie für die Themengebiete „cybernetics, systems theory, evolution, philosophy and related topics“; der Artikel selbst ]
- Kilcullen, R.J.: Ockham on Universals, in: Papers on Medieval Philosophy, Tape8, http://www.mq.edu.au/~ockham/z3608.html [Papers der Macquarie University, die gleichzeitig die mittelalterlichen Originaltexte, zum Teil im lateinischen Original als Kurs auf 11 sog. Tapes zur Verfügung stellt. Der hier angegebene Text geht von der modernen type-token Unterscheidung aus und beleuchtet Ockhams Antwort darauf; von hoistorischem, aber auch allgemeinen Interesse]
- William of Ockham, in: The Internet Encyclopedia of Philosophy, http://www.utm.edu:80/research/iep/ockham.htm [ein großangelegtes und sehr gründliches Enzyklopedieprojekt, welches allerdings seine Einträge ohne Hyperetxtverweise anbietet]
- weitere

3. Ontologie:
3.1. Primärliteratur:
- Quine, Willard V.O.: On What There Is, in: Quine, Willard V.O., From a Logical Point of View, Harvard Uni. Press: 1980, p. 1-19
- Quine, Willard V.O.: Ontological Relativity and other Essays, New York Columbia Uni. Press: 1969
3.2. Sekundäres:
- Gruber, Tom: What Is an Ontology?, http://www.stanford.edu/what-is-an-ontology.html
- Ontology, in: Principia Cybernetica Web, http://pespmc1.vub.ac.be/ONTOLI.html

4. Soziologischer Holismus
- Marx, Karl: Das Kommunistische Manifest
Kritiker:
- Popper, Sir Karl R.: Das Elend des Historizismus, Tübingen 1979 (vor allem 7. und 23. Kapitel) [mit dem Ausdruck Historizismus bezeichnet Popper den Versuch, „den zukünftigen Verlauf der Geschichte mit rationalen Methoden vorherzusagen“ (ebda. S.XI). Popper vetritt demgegenüber ein individualistisches Modell der sozialen Stückwerk-Technik (piecemeal engineering), welches sämtliche holistische, essentialistsiche Geschichtsmodelle von Platon über Thomas von Aquin, Marx bis zu Hitler als totalitär ablehnt. Ganzheitliche und essentialistische Theorien sollen durch ein sozialtechnologische Trial-and-Error Methoden ersetzt werden]


5. Individualismus/Liberalismus
Primärtexte
- Smith, Adam [1789]: Der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung seiner Natur und Ursachen, übers. u. hg. v. H.C. Recktenwald
- Smith, Adam [1789]: An Inquiry Into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, gopher://gopher.vt.edu:10010/02/141/1 [ökonomischer Individualismus]
- Bentham, Jeremy [1781]: Principles of Morals and Legislation, http://www.utm.edu:80/research/iep/text/bentham/benthpri.htm [das klassiche Werk des Utilitarismus]
- Rawls, John: A Theory of Justice, Oxford Uni. Press 1971 [Vertragstheorie; Rechtsliberalismus: Konstruktion von Rechts- und Güteransprüchen aus einem Urzustand (original position)]
- Nozick, Robert: Anarchy, State and Utopia, Oxford Blackwell: 1974 [Libertinismus und Radikalindividualismus]
- Nagel, Thomas: Equality and Partiality, Oxford Uni. Press 1991 [Individualistischer Universalimsus]
- Popper, Sir Karl R.: Das Elend des Historizismus, Tübingen 1979
Kritiker (alle Kommunitaristen: Walzer, McIntyre, Taylor):
- Sandel, Michael J.: Liberalism and the Limits of Justice, Cambridge Uni. Press 1974 [vor allem chap. 1 and 4; the Good vs. the Right]

6. Lexika und Enzyklopedien:
- Müller, Max/ Halder, Alois (hgg.): Kleines philososphisches Wörterbuch, Freiburg: Herderbücherei 1971, [Philosophie: katholisch und metaphysisch]
- Schischkoff, Georgi (hg.): Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart Kröner 1965 darin: Nominalismus, Atomismus, Universalien, Universalienstreit, Holimsus [begründet in den 30er Jahren von Heinrich Schmidt, einem den Nazis nicht abgneigten Philosophen, ergo: sozialphilosophische Artikel, aber auch generell mit Vorsicht zu genießen, trotzdem aber sehr umfassend]
- Runes, Dagobert D. (ed.): Dictionary of Philosophy. Ames, Iowa: Littlefield Adams & Co. 1958
- Speck, Josef (hg.): Handbuch wissenschaftstheoretischer Grundbegriffe. Göttingen:
Vandenhoek & Ruprecht 1980
- Hoffmeister, Johannes (hg.): Wörterbuch der philosophischer Begriffe, Hamburg 1955
- Principia Cybernetica Web, http://pespmc1.vub.ac.be/index.html
- Internet Encyclopedia of Philosophy, http://www.utm.edu:80/research/iep/



(14802 mal gelesen) Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

Kybernetik
Freigegeben von: Wolfgang Melchior am 22. 08. 2003
Kybernetik
Eine Einführung
kybernhthV = Steuermann
a) allg.: Systemtheorie: Ashby
b) Maschinentheorie: Turing,
c) Informationstheorie: Shannon, Wiener
---> Kommunikationstheorie: übertragung und Verarbeitung von Nachrichten
Fragen aus der letzten Sitzung:
1.Unterschied von dissipativ und konservativ:
Ideale Gase besitzen drei Zustandsgrößen:
Druck. p
Volumen: V
Temperatur: T oder q
Drei Typen von Zustandsänderungen eines Systems:
a) Isochore ~ : D V = 0
b) Isobare ~ : D p = 0
c) Isotherme ~ : D T = 0
daneben:
d) Isentrope ~ : D Q = 0 (Konstanz der Entropie, also, kein Wärmeaustausch mit der Umgebung, völlige Wärmeisolierung)
e) polytrope ~ : D Q 0




Def.:
Wärmekraftmaschine: Maschinen, die Kreisprozesse im Uhrzeigersinn durchlaufen (Rechtsprozesse oder Carnotprozesse). Zufuhr von Wärmenergie bei hoher Temp. Umwandlung in mechanische Arbeit. Abgabe der Restwärmeenergie bei niedriger Temp.
Kältemaschine/Wärmepumpe: Maschinen, die Kreisprozesse gegen den Uhrzeigersinn durchlaufen (Linksprozesse). Aufnahme von Wärmeenergie bei niedriger Temp.. Zusätzliche mechanische Arbeit (Kompressor) wird zusammen damit abgeführt (an Umgebung).
Erster Hauptsatz (Energieerhaltungssatz; konservare=erhalten; konservatives Prinzip)
a) In einem abgeschlossenen System ist die Summe aller Energien konstant.
--> Energie wird weder vernichtet noch entsteht aus dem Nichts, sondern wird nur umgewandelt.
b) 1. Hauptsatz der Thermodynamik im engeren Sinne
Zufuhr von Wärmeenergie und mechanischer Arbeit vergrößert die innere Energie eines abgeschlossenen Systems.
Q + W = D U
Def. INNERE ENERGIE: D V = 0 ==>
Änderung der ~:
Q = D U, da keine Arbeit geleistet wird ergo:
D U = cVm DT
Innere Energie:
U = cVm T (eigentl. innere Energie) mit
m Masse des Gases
cV spezifische Wärmekapazität eine Gases
Ein anderer Ansatz: Äquivalenz von mechanischer Energie (nicht Arbeit!!) und innerer Energie (Joules Wärmekraftmaschine). Temperatur eines Stoffes ist das Maß der mittleren kinetischen Energie seiner Moleküle (statistische Wärmetheorie nach Maxwell).
Zweiter Hauptsatz der Thermodynamik (dissipatives Prinzip; disspipare=zerstreuen)
a) Prinzip der Wärmekraftmaschine (Def. siehe oben):
"Wärme kann nur dann in Arbeit umgewandelt werden, wenn zugleich ein Teil der Wärme von einem wärmeren auf einen kälteren Körper übergeht"
b) Prinzip der Kältemaschine (siehe oben)
Wärme kann von einem kälteren auf einen wärmeren Körper nur unter Aufwand mechanischer Arbeit übertragen werden
Ergo: Wärmeenergie fließt in einem unbeeinflußten, geschlossenen System niemals von Stellen niedriger zu Stellen höherer Temperatur oder:
die Entropiedifferenz in einem geschlossenen System ist stets größer/gleich 0:
D S ? 0
Zwei Typen von Prozessen in geschlossenen Systemen:
Reversibilität: Eigenschaft von Zustandsänderungen eines Systems, welches wieder in seinen Ausgangszustand ohne Energiezufuhr zurückkehrt.
Irreversibilität: Nur in eine Richtung ablaufende Prozesse.
2. Isomorphie (nach Ashby)
Black-Box-System: es werden nur die Inputs und Output eines Systems betrachtet und dann auf ihre funktionale Ähnlichkeit/verschiedenheit geschlossen.
Vorläufige Klärung: isomorph = musterähnlich/gleich ("similiar in pattern")
Allg.: Jede Abbildung (mapping), welches die Relationen zwischen den Elementen unverändert läßt oder: wenn eine eineindeutige (bijektive) Abbildung die Zustände (In- und Outputs) des einen Systems ins andere vorliegt. (vgl. dazu Ashby, S. 94-101).
Beispiele: Negativ - entwickeltes Bild
Landschaft - Karte
Ashby?s Beispiel: ein mechanisches Federsystem, ein Schwingkreis, ein Polynom zweiten Grades
Ziel isomorpher Systeme: Simulation komplexer Systeme durch funktionsgleiche einfache(re). Dadurch wichtig bei der Bildung von wiss. Modellen.
3.Geschlossenheit vs. Offenheit von Systemen
Offene Systeme können Energie, Materie und Informationen austauschen, geschlossene nicht (nach H. Wehrt).
Grundproblem der Geschlossenheit: Die Gesezte der Thermodynamik besitzen nur für geschlossene Systeme Gültigkeit, jedoch läßt dies kein experimentelle Bestätigung zu, da jeder Meßvorgang eine physikalische Wechselwirkung zwischen System und Experimentator/Meßgeräten darstellt. Damit stößt man auf ähnliche Probleme wie in sie zur Ausbildung der Quantenphysik führten (Dualität Welle-Teilchen): der Beobachter ist Teil des Systems, ein Objekt an sich gibt es nicht.1
Partielle, temporäre Geschlossenheit: kennzeichnend für lebendige Systeme; "ist notwendige Voraussetzung der vollen dynamischen Offenheit der Biosysteme"
"Lösungsansätze":
- Turing: "simplification, idealization, falsification". Geschlossene Systeme sind nur modellhafte Idealisierungen
- geschlossene Systeme sind Sonderfälle offener => in offenen Systemen gelten die Gesetze der Thermodynamik und noch weitere.
Typen von Verhaltensbeeinflußung eines Systems
1.) Auslösung
Eine einfache Kausalbeziehung zwischen einer Information und dem Empfänger, ohne daß Art und Richtung des Verhaltens beeinflußt werden. Einfachste Beispiele sind Schalter (bzw. Ein- und Ausschalten); der Vorgang bewirkt zwar kanalgerecht ein Systemverhalten, jedoch spielen dabei Intensität und Art und Weise des Auslösens keine Rolle (vgl. neuronale Alles- oder Nichts-Reaktionen).
2.) Steuerung
"Das Ziel wird von außen gesetzt, Richtung und Art des Verhaltens werden von außen dirigiert."
Gesteuerte Systeme sind nicht in der Lage, Sollwerte einzuhalten oder anzustreben.
a) feste Steuerung: starre Steuermechanik wie z.B. bei unbedingten Reflexen oder Schienen eines Zuges.
b) variable Steuerung: flexible Steuermechanik wie z.B. beim Autofahren oder der Körperhaltung
3.) Regelung
"Das Ziel, der Sollwert, wird von außen gesetzt, das System verändert selbst sein Verhalten so, daß dieser Sollwert erreicht wird"
Geregelte Systeme sind "innengesteuerte" Systeme (Selbststeuerung).
4.) Anpassung
"Das System verändert sein Verhalten so, daß sich ein Gleichgewichtszustand zwischen System und Umwelt einspielt - dieser selbst entwickelte Sollwert wird jetzt der zukünftigen Regelung zugrunde gelegt"
Anpassung, nicht Regelung sind für die evolutive Selektion relevant.
Geht man vom Modell des stabilen Gleichgewichts aus, hat jedes System (Organismus) grundsätzlich zwei Möglichkeiten, auf Störungen der Umgebung (Veränderungen der Umweltbedingungen) zu reagieren:
- Erreichen des alten Equilibriums
- Suche nach einem neuen Equilibrium
Anpassung unterscheidet sich von Regelung also einmal
- qualitativ: neue Arten von Störungen
- quantitativ: Dauer und Intensität der Störung macht den alten Gleichgewichtszustand instabil.
Letztlich sind es die quantitativen
Spezialformen: Gewöhnung, Imitation, Automatisierung
vor allem aber: bedingte Reflexe und Lernverhalten
Beim bedingten Reflex ist zwar der Verhaltensoutput von bedingtem und unbedingtem Anteil gleich, jedoch hat der Organismus ein neues Verhaltensmuster entwickelt (Umcodieren von Reizen).
Ähnliches gilt für Lernen durch Erfolg und Irrtum.
--> Selbstorganisation läßt sich als
- ein Spezialfall von Anpassung als auch/oder
- eine Weiterentwicklung von Anpassung
interpretieren.
Im ersten Fall wird auf die Außenstörungen die Betonung gelegt (stabil gegenüber Umgebungsänderungen), im zweiten Fall ist das System selbst gegenüber (zufälligen, statistischen) Änderungen seines Innenmilieus stabil.
Rückkopplungen (feedbacks)
Kompensatorische (= negative R.: "je mehr desto weniger" v "je weniger, desto mehr") ~:
Grundsätzlich ist jedes Regelungssystem träge, d.h. Soll- und Istwert sind zeitlich, nicht nur schematisch getrennt, oder anders ausgedrückt.
- der Regelbefehle ist gegenüber dem Sollwert oder noch anders
- Stellgröße ist gegenüber der Regelgröße
phasenverschoben.
---> praktisch (im Gegensatz zu theoretisch-modellhaft nach Blockschema) ist jedes negativ rückgekoppelte System ein oszillierendes System .
Kumulative (= positive R.):
Janusköpfig: einmal sind kumulative R.s genau das, was in der Regelung vermieden werden soll, da sie das System instabil werden lassen; auf der anderen Seite können solche R.s auch zu neuen stabilen Equilibria führen ---> Anpassung.
Drei Arten des "übergangs" von kompensatorischen zu kumulativen (positiven) R.:
a) Phasenverschiebung phi = 1/2: run-away-reaction (Aufschauklungsreaktion). Beispiel: Intentions-Tremor. Die Regelung tritt genau dann ein, wenn das System bereits wieder vom Sollwert abgewichen ist.
b) Zunahme der Störungen oder deren Intensität ---> Aufschaukelung wie unter a)
c) Invertierung des Stellglieds: Beispiel Klospülung: der Schwimmer schließt nicht, sondern öffnet mit zunehmenden Wasserstand das Einlaßventil.
Quellen/Literatur:
* Flechtner, Hans-Joachim: Grundbegriffe der Kybernetik, 5. Auflage 1984
* Ashby, W. Ross: An Introduction to Cybernetics, London 1958
* Holton, Gerald/rev. Brush, Stephen G.: Introduction to Concepts and Theories in Physical Science, Princton Uni. Press 1985
* Physical Science Study Comittee (PSSC) Physik (dt. Fassung), Braunschweig 1974
* Wehrt, Hartmut: über Irreversibilität, Naturprozesse und Zeitstruktur, in: Offene Systeme I. Beiträge zur Zeitstruktur von Information, Entropie und Evolution, hg. v. E. v. Weizsäcker, Stuttgart 1974, S. 114-199
* Kuchling, Horst: Taschenbuch der Physik, 15. Aufl., Köln 1995 (Wärmelehre)
* Stachowiak, Herbert: Kybernetik, in: Handbuch zur Wissenschaftstheorie, hg. v. H. Seiffert u. G. Radnitzky, München 1992



(13044 mal gelesen) Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

Weizsäcker - Das System des Bewußtseinswandels
Freigegeben von: Wolfgang Melchior am 22. 08. 2003

Carl Friedrich von Weizsäcker (geb. 1912)

Das System des Bewußtseinswandels
von Carl Friedrich von Weizsäcker

I. Die Krise(S.45-70)
Menschliche Hochkultur seit 6000 Jahren
Krisen der Hochkultur treten stets an den Grenzen des jeweils
historischen Niveaus der Technik auf

II. Zukunft der Menschheit (S.25-44)
1. Die Ambivalenz heutiger, mit dem höchstem historischen
Niveau gemachten materiellen Glücksentwürfe:
- Neue Hoffnungen für die überwindung des Elends
- größte Sorge vor einem selbstbereitetem Unglück

2. Die vier Leitgedanken
a) Wirtschaft: Aufgabe:
- Bereitstellung knapper Güter
- Wohlstand, durch überschussproduktion

Krisen:
- Arbeitslosigkeit und Wachstumsproblem (Erste Welt)
- Selbstwidersprüche des Sozialismus (Zweite Welt)
- Das Entwicklungsproblem: Die Dritte Welt zwischen Wirtschaftswachstum und Bevölkerungsexplosion (Kaufkraft, Armut und Bevölkerung)

b) Natur: =gewachsene, vormenschliche Natur
Wirtschaftswachstum durch technischen Fortschritt
konstituiert die Macht des Menschen in der Natur

Gewachsene Natur ----------------? Geschaffene Natur: Kultur
Natur im eigentl. Sinn ^
|
|
|
Technik als Zerstörungs-
und Umwandlungsfaktor

c) Friede; innerstaatlich geschützt und geboten (Rechtsordnung)
international: Krieg als anerkannter Zustand
Lösung: Internationale Friedens- und Rechtsordnung
nach der Idee der Aufklärung: Reifung der
Vernunft schafft Bedingung der Möglichkeit
eines stabilen Friedens

d) Bewußtsein: = Praktische Vernunft als politische Moral
Aufgabe in Krisenzeiten: Höherer Grad an Einsicht (zeitweilig; bei einigen), der die Moral nicht mehr als unerklärt hinnimmt ? Bewußtseinswandel



III. Der Bewusstseinswandel
1. Struktur und Bewußtsein
a)Das Modell: Aufklärung (Vermittlung "höherer Einsichten")
—> Bewußtseinswandel —> moralischer Druck des Volkes auf die Politik —> Politische Veränderung —> Strukturwandel

b) Voraussetzung stabiler gesellschaftlicher Strukturen (Staat,
Recht, Wirtschaftsform) ist der Kompromiß zwischen
Macht und Vernunft
=Bereitstellen von Mitteln =Begriffliche Wahrnehmung
für offengehaltene Zwecke des Ganzen/Entscheidungsfreiheit als Unterbrechung
determinierter Prozesse
Wahrnehmung der Lebensbedingungen

c) Formen der Macht:
- als technische
- als politische Herrschaft
- als ökonomische
in der Reihenfolge ihrer kulturhistorischen Entstehungsgeschichte

2. Staat und Gesellschaft (Innerstaatliche politische Strukturen)

a) Vier Strukturmerkmale der Staaten:
1.) Legalität: Gesetzeshandeln gegen moralische Willkür
Erfindung der abendländischen Neuzeit (Menschenrechte )
2 .) Demokratie: Leitbegriff zwischen Sozialist. Zentralismus und westl.
Mehrheitsdemokratie : Entscheidung durch die Betroffenen
3.) Meinungsfreiheit: Meint den legalen Handlungsspielraum
Funktion: Nur ein freies, vernünftiges Raissonement der Staatsbürger findet Wahrheiten
4.) Dezentralisierung: Unerläßlichkeit von Zentraliren (Weltmarkt, Weltfrieden ... )
Vorschlag: Zentrale Planung mit maximaler dezentraler Entscheidungsmöglichkeiten

b) Menschlichkeit
Gegenpol zur Macht: Prinzip zum Schutz und zur Durchsetzung auf Wahrnehmung und innerer Beteiligung beruhender Verhaltensweisen


3. Politik und Bewußtsein
a) öffentliches Bewußtsein als Politische Vernunft
öffentliches Bewußtsein = Bewußte Momente gemeinsamen Handelns, die nicht deren Inhalte
sondern soziale Verhaltensweisen von Gruppen geg. ihrer realen Umwelt betreffen
Vernünftiges Handeln = Gemeinsam angewandte Vernunft

Vernunft: 1. Wahrnehmung des Ganzen als waches, biologisch angepaßtes Handeln
2. Aktives Moment: Urteilsbildung ist Unterbrechung des Reflexschemas Wahrnehmung-Handlung

Aufgabe des Bewußtseinswandels: Wirksammachen gemeinsam angewandter Vernunft

b) Das liberale Vernunftmodell:
Ganzheitswahrnehmung nicht in einem Bewußtsein, sondern als Zusammenspiel aller Gesellschaftsmitglieder ("invisible hand")

Notwendigkeit eines Bewußtseinswandels:
- Einsicht in die Richtigkeit eines freien Spiels
- Durchsetzung seiner Funktionsbedingungen: Staat

c) Das persönliche Bewußtsein:
Reale und seelische Grundlage des öffentlichen Bew.
durch: 1. Erziehung als Weitergabe von Wissen (Ver-
haltensweisen) oder zur Bildung eigener Urteile
2. Reifung. Unbewußte Tendenzen/Die Möglichkeit zur Reifung
3. Heilung durch moralische Selbstkritik:
Anerkennung der Verantwortlichkeit meiner Handlungen

4. Umkehr: Umdenken in religiöser Selbsterfahrung der Angst und Einsamkeit


(13404 mal gelesen) Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

Meyer, Lothar: Ein System siegt sich zu Tode
Freigegeben von: Wolfgang Melchior am 22. 08. 2003
LOTHAR MAYER: EIN SYSTEM SIEGT SICH ZU TODE.
DER KAPITALISMUS FRISST SEINE KINDER
(Publik-Forum Dokumentation Oberursel)
1992

Meine Kritik an Meyer

1. Das Argument (1., 9. Kap..)
1.1. Entropie
1. Hauptsatz der Thermodynamik (= Energieerhaltungssatz):
Die Summe der Energie in einem geschlossenen System bleibt stets gleich. Energie kann zwar umgewandelt, aber weder erzeugt noch vernichtet werden.
2.Hauptsatz der Thermodynamik (=Entropiegesetz): Zustände größter Unordnung
oder Gleichverteilung (von Materie wie Energie) haben die größte Wahrscheinlichkeit (Satz vom thermodynamischen Gleichgewicht). In geschlossenen Systemen wächst bei Energieumwandlungen die Entropie. Entropie ist das Maß der nicht mehr arbeitsfähigen nicht mehr verfügbaren Energie. Daher ist der Bau eines "perpetuum mobile" nicht möglich.

Was heißt nicht mehr arbeitsfähige Energie?: Abwärme in Form von Reibungswärme, Ab-
nahme von Konzentrationsgefällen (100%-h = Entropie in %; mit h (Wirkungsgrad) = T1-T2/T1)
Um "entropische Energien" in einem bestimmten Subsystem (etwa Reibung in einer Wasserröhre) wieder dem Gesamtsystem (etwa Wasserkraftwerk) zuzuführen, muß mehr Energie aufgewendet werden als an Entropie "eingespart" wird.

Es folgt:
- unter der Annahme, daß unser Kosmos endlich (ob begrenzt oder unbegrenzt), also geschlossen ist, folgt nach 1. und 2. HS, daß es zum "Wärmetod des Universums" kommen wird ("kosmische Uhr''-Modell) und daß, unabhängig davon, was in bestimmten Subsystemen für Energieumwandlungsprozesse stattfinden, die Menge an Entropie im Gesamtsystem Kosmos beständig zunimmt.

1.2. Negentropie (oder Syntropie):
- bezieht sich allein auf offene Systeme (einzig beobachteter Fall: Erde).
- ist das Maß für den Abstand eines Systems vom thermodynamischen Gleichgewicht
(vergleichbar mit der pot. Energie eines fallenden Körpers).
- geschieht nach dem Muster: Aufbau von Innenkomplexität = Abbau von Außenkomplexität ("Entropie bleibt draußen").
- ist nur in "Inseln" denkbar, sonst würden sie HS 1. und 2. verletzen (Gesamtzunahme der Entropie)
- ist bis heute nur in Lebenserhaltungssystemen (life support Systems (LSS)) entdeckt
worden und ist daher Thema der Biologie:
LSS sind gekennzeichnet durch
a) Selbstorganisation durch aktive Steuerung des Energieaustausches (Stoffwechsel) mit der Umwelt (Regelkreisläufe),
b) Ausnutzung der Außen-Entropie zum Aufbau von Innenkomplexität.
- ist das physikalische Maß für die in und auf unserer Erde vorliegenden Energiepotentiale (Ressourcen).

1.3. Entropie und Wirtschaft.
1.) Alles Wirtschaften, das natürliche Stoffe als die Quellen von Negentropie umwandelt, vermehrt die Entropie. Dieser thermodynamische Ausgleichsprozeß hat mit der Entstehung des Menschen bzw. der rationalen Nutzung von Naturvermögen begonnen.


2.) Während in traditionellen Gesellschaften und Wirtschaftssystemen die Entropievermehrung
durch den Menschen
a) linear war und
b) durch Regelkreise vom offenen System Erde kompensiert werden konnte
eignet der kapitalistischen Verkehrsform eine exponentielle Entropievermehrung, die infolge von positiven Rückkopplungen nicht mehr vom LSS „Erde“ kompensiert werden kann.


2.) Regelkreis



Ökosysteme sind gekennzeichnet durch dynamische Gleichgewichtzustände (=Fließgleichgewicht), d.h., Veränderungen der Regelgrößen werden negativ rückgekoppelt.
Das Steuerprinzip der Homöotelie/Homöostase bezeichnet die Grundvoraussetzung für selbstorganisierende Systeme: Alle Subsysteme und Systemkomponenten verhalten sich so, daß das
Gesamtsystem erhalten bleibt. (Goldsmith-Prinzip)

3. Negative und positive Rückkopplungen:
3.1. Positive Rückkopplungen:





"+": "je mehr, desto mehr", "je weniger, desto weniger"
Systeme, die allein solche Rückkopplungsschleifen besitzen:
- verhalten sich selbstverstärkend,
- weisen exponentielle Wachstumsraten auf (Nichtlinearität der Veränderung der Grundgröße),
- sind (ökologisch! instabil ("run-away-reactions''/Aufschauklungseffekte).

b) Hyperzyklen (Verallgemeinerung von M. Eigen):
- Autokatalyse; Grundgröße und Einflußgröße haben dieselbe Extension. Die Elemente des Systems verstärken sich, indem sie einander als Katalysatoren dienen.
- Kreuzkatalyse: Grundgröße wirkt katalytisch auf eine Einflußgröße, die wiederum die Grundgröße positiv verstärkt.


3.2. Negative Rückkopplungen („der Normalfall“ (Meyer)):
Im Sinne des dynamischen Gleichgewichts.(s.o.) das Grundmuster von Regelprozessen der Biosphäre.




4. Das System des Kapitalismus (2.,3.,4. Kap.):

4.1.. Der Verwertungszwang und die Aneignung von Natur:
- Mehrwert(produktion) und Akkumulation sind positiv rückgekoppelt.
Für traditionelle. Wirtschaftsmodelle (klassisch, neoliberal, keynsianistisch, Marx) sind
die Quellen von Mehrwert: Arbeit, Kapital, Boden, Wissenschaft und Technik.
- Extern zu deren Kreislaufmodellen stehen (und bleiben damit unberücksichtigt): neokoloniale Usurpationen und vor allem die Ressourcen der Natur. Letztere sind die unbezahlten "Vorprodukte" des ganzen Systemkreislaufs,

4.2. Markt und Effizienz – Meyers Kritik am Markt (S. 171):
"Der Markt ist ein Selbstläufer" (S. 105). d.h. ein selbstregulierendes, energiesparendes System mit negativen Rückkopplungen (Angebot und Nachfrage). Daher ist vom Effizienzstandpunkt aus der Markt ein optimaler Allokator.
- Als mechanistisches Transaktionssystem ist der Markt blind Für Aneignungs- und Ausbeutungsverhältnisse, die er als (negative) externe Effekte behandeln muß. Es besteht keinerlei Anreiz für den Marktteilnehmer negative, systemexterne Kosten zu minimieren.
- Der Markt ist die Institutionalisierung der Verantwortungslosigkeit.

4.3. Sozialstaat und Produktivkraftentwicklung:
- Mit der Herausbildung des Sozialstaats fand eine "Verschiebung der Mehrwert-Quelle von der Ausbeutung der Arbeiter ... zur Ausbeutung der Natur" (S. 97) statt.
- Das wurde erforderlich durch die Entfaltung der Produktivkräfte, die zunächst ihre Grenzen an der Ausbeutung von Arbeitskraft fand.
Das Proletariat wird zum "Salariat", zum gesicherten Gehaltsempfänger, das "an den Früchten der Akkumulation" beteiligt ist.

4.4. Terms of Trade und Ausbeutung der 3. Welt:
- Reichtum der l. (und 2.) Welt und Armut der 3. Welt sind positiv rückgekoppelt. Koloniale Ausbeutung setzt sich durch die Terms of Trade so fort, daß "die Länder der 3. Welt eine Voraussetzung für die Entwicklungsdynamik der kapitalistischen Länder sind" (S.26).

4.5. Kapitalismus als selbstverstärkender Hyperzyklus:
- Die Entropievermehrung im Kapitalismus geschieht auf zwei Wegen: einmal über den Selbstverstärkungsmechanismus von Kapitalakkumulation und (durch Ausbeutung von Natur gewonnenen) Mehrwert, zum anderen als "Autokatalyse", indem Wissenschaft und Technik die Kapitalakkumulation beschleunigen (u.U.). So steigern Maschinen nicht nur durch Massenfabrikation den Abbau von Ressourcen, sondern auch als "Selbstverbraucher".
- Dieser exponentielle Prozeß wird noch angefacht durch die Bevölkerungsexplosion, durch die Förderung der "Innenwahrnehmung" ("funktionale Differenzierung" nach Luhmann) und durch die sog. Wohlstandsfalle" (Notwendigkeit gestiegene Erwartungen zu erfüllen).

5. Ent-Verantwortung (5. Kap.)
5.1. "Markt statt 'Moral“:
Der Markt fördert Kurzfristige Interessen gegenüber langfristigen und persönliche gegenüber allgemeinen.
Der Marktteilnehmer überläßt die Bewertung seiner Handlungen einem Automatismus.
("strukturelle Amoral").
Moral bedeutet dagegen „die Beurteilung und Bestimmung von Verhalten und seiner Folgen nach übergeordnet religiös, philosophisch, kulturell begründeten Kriterien“ (S. 47)

5.2. Innenkomplexität:
Arbeitsteilige Spezialisierung und Vermitteltheit durch das Asbtraktum Geld führen dazu, dass alle schuldig sind ohne dass sich ein einzelner verantwortlich fühlte.

6. Entropische Verstrickung des Kapitalismus (7.,7.,8., 10. Kap.)

6.1. Das Argument (S. 61, 17ff):
Eine ökologische Modernisierung des Kapitalismus ist aus zwei Gründen prinzipiell unmöglich

1.) Recycling ist nur in einer bestimmten Grenze wirtschaftlich. Die Ausbeutung natürlicher Ressourcen kommt zumeist billiger, da sie auf einen Vorrat an gespeicherter Energie zurückgreifen kann.

2.) "Das Gesetz der sinkenden Erträge“ (Folge des Entropiegesetzes): Bei einer geg. Menge von Recyclingmaterial und konstantem Einsatz von Produktionsfaktoren (?) sinkt der Ertrag mit der Zunahme des bereits recycelten Materials. "Die letzten 10% erfordern noch einmal so viel Aufwand wie die ersten 90%" (S. 61). Die Entropie, die bei der Umwandlung des Materials entsteht, übersteigt ab einem gewissen
Schwellenwert die Entropie des Abfallproduktes.


6.2. Leben am Ende der Geschichte:
("Gewissenskonflikt" zwischen Selbsterhaltungswillen und fatalistischen Pessimismus)
- Das Paradox: Jede ökologische Modernisierung verlängert nur die Sterbephase des Systems: Erstere " ist ebenso unvermeidlich wie sie (unter dem Gesichtspunkt des überlebens, der Katastrophenvermeidung) zwecklos ist" (S. 55), da 'die positiven Rückkopplungsschleifen des Systems dabei unangetastet bleiben'.

Der Skandal: Nur eine Verschlechterung der Verhältnisse hilft, da sie den Teufelskreis von Entropieverschwendung und Wohlstand aufbricht.

Dagegen: Chance einer "Fristverschiebung": Die irrationale Hoffnung auf die Evolution hin zur Emergenz eines "Bewußtseins des Ganzen": Entstehung eines Bewußtseins, dass der Mensch "nicht nur Objekt, sondern auch Subjekt der Evolution geworden ist" (S. 73) Homöotelisches Motto. "Die Sache der Biosphäre zur Sache des Menschen machen."



(1759 mal gelesen) Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

Mill - Utilitarismus
Freigegeben von: Wolfgang Melchior am 22. 08. 2003

John Stuart Mill (1806-1873)

John Stuart Mill, Der Utilitarismus[Utilitarianism], Zweites Kap. l.
Teil (S. 11-21 Reclam-Ausgabe)


0. Zur Person John Stuart Mills (1806-1873)
- Strenge Erziehung zu einem Utilitaristen der Benthamschule durch seinen Vater
("puritanisches Erbe")
- Später Beschäftigung mit romantischer Literatur und Philosophie
- Anhänger der ?Radicals? (linker Flügel der liberalistischen "Partei"): Repräsentativparlamentarismus, Volkssouveränität, Gewaltenteilung; drei Jahre Abgeordneter im brit. Unterhaus
- Später nach Entwicklung einer Anthropologie ("Ethologie") und einer Milieu-Theorie: Theorie des sozialen Ausgleich: Einsatz für das Frauenwahlrecht, für Minderheiten (gegen die "Tyrannei der Mehrheit")
- Abkehr vom Utilitarismus Benthams ("An Introduction to the Principles of Morals and Legislation") in "Der Utilitarismus"

?Was heißt Utilitarismus??
1. Was ist Nützlichkeit?
Nützlichkeit [utility] ist:
- nicht etwas der Lust Entgegengesetztes, sondern:
- Lust, Freude, Gefallen [pleasure]
- Freisein von Schmerz, Unlust [pain]

2. Das Prinzip des größten Glücks [principle of greatest happiness]

2.1. Glück [happiness] und Lust [pleasure]:
Glück: Erleben von Lust und Freisein von Unlust
Unglück: Erleben von Unlust und Fehlen von Lust

2.2. Das Prinzip:
Außermoralischer Endzweck jeder Handlung ist deren Folge, Glück zu "befördern"
(folgeethisches Prinzip)
=> Handlungen sind dann (und in dem Maß) moralisch richtig, wenn sie Glück bewir-
ken
" " falsch, wenn sie Unglück hervorrufen

Dinge sind wünschenswert, weil
- sie selbst Lust bereiten
- sie Mittel dazu sind

3. Lust als letzter Zweck des Lebens? (Zum Vorwurf des "Schweineutilitarismus)

3.1. Qualitative Wertehierarchie (gegen Benthams quantitative Wertehierarchie):
Arten der Freuden [pleasures]: Intellektuelle (Verstandesleistungen, Phantasie,
Kunst), sittlich-soziale (z.B. Opferbereitschaft) und sinnliche Freuden

3.2. Rechtfertigungen:
3.2.1. Empirisch: Das Präferenzprinzip:
Hypothetisches Modell: Gegeben sind zwei Arten, Lust und Freude zu gewinnen
Kompetente Richter, die beide Arten kennen

dann: 1. Version: die Freude, die von der größeren Anzahl kompetenter
Personen bevorzugt wird, ist wertvoller und wünschenswerter
2. Version: die Freude, die von einem kompetenten Agenten,
"entschieden bevorzugt wird", ist wertvoller und wünschenswerter

3.2.2. Anthropologisch: Mensch ist definiert durch seine höheren Anlagen: Perfektibilität, Würde
Glück [happiness] und Zufriedenheit [content]:
Menschliches Glück wird als unvollkommen erlebt => unzufriedener als Tiere
Unzufriedenheit ist Ansporn zu Vervollkommnung => potentiell glücklicher als Tiere
Wert einer Freude ist relativ zu den natürlichen Fähigkeiten eines Lebewesens

3.2.3. Gründe für "unnatürliches" Handeln und Handeln wider besseres Wissen
(Kompetenz):
- Charakterschwäche
- Milieubedingte "Deformationen"

FRAGEN:
1.) In welcher Beziehung stehen Glück und Lust/Freude? Ist sie symmetrisch oder gibt es
auch asymmetrische Fälle? Ist Freude ein Parameter von Glück oder ein Glücksmoment
2.) Lassen sich Freuden in Arten einteilen und auch noch hierarchisieren? Kann man
sinnliche und geistige Freuden überhaupt vergleichen, indem die einen den anderen
übergeordnet werden?
3.) Wer sind "die einzig zuständiger Richter" über Wert und Unwert einer Handlung?
Was, wenn sich die Mehrheit kompetenter Personen für die sinnlichen Genüsse ent-
scheiden würde? Handelten sie dann gegen ihre vernünftige Natur, die nach Geistigem
verlangt, oder sind das einfach "verwirrte Zeitgenossen"?
Literatur:
Mill, John St.: Der Utilitarismus, Stuttgart 1976
Bermbach, Udo: Liberalismus, in: Fetscher, Iring u. Münkler, Herfried (Hgg.): Pipers
Handbuch der politischen Ideen, Bd. 4, München 1986, S. 323-368



(15155 mal gelesen) Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

Goodman - Fact, Fiction and Forecast
Freigegeben von: Wolfgang Melchior am 22. 08. 2003

Nelson Goodman (1906-1998)


Probleme der Induktion
NELSON GOODMAN: ?THE NEW RIDDLE OP INDUCTON?
FACT, FICTION AND PORECAST; CHAP. 3


l. Die Problemsituation
Das Problem der irrealen Bedingungssätze (syntaktische Annäherung an das Induktionsproblem)
["The Problem of Colinterfactual Conditionals”]

1. Der besondere Charakter irrealer Bedingungssätze: wahr aufgrund der behaupteten Verbindung,
nicht aufgrund der Wahrheitswerte seiner Bestandteile

2, Die zwei Hauptprobleme: - Das Problem der maßgebenden Bedingungen [relevant conditions]
- Das Problem des Gesetzes [law] und der Gesetzesartigkeit [lawlikeness]

3. Neue Problemsituation;
Unter welchen Bedingungen und welche Anwendungsfälle bestätigen die in einem irrealen Bedingungssatz behauptete hypothetische Aussage [= Problem of Confirmation] oder
Wie sieht ein Kriterium aus, das mir mitteilt, welche Prädikate von bekannten (beobachteten) auf
unbekannte (noch nicht beobachtete) Fälle fortsetzbar sind [= Problem of Projection]

II. Das Problem der Dispositionsprädikate (wissenschaftsphilosophischer Ansatz)

1. Wiederkehr des Portsetzungsproblems: Dispositionsprädikate als Portsetzungen "manifester Prädikate"

2. Das Verschwinden möglicher Entitäten: Dispositionsprädikate beziehen sich nicht auf mögliche
Gegenstandswelten, sondern in ihnen werden wirkliche Ereignisse realer Gegenstände hypothetisch fortgesetzt. Sie erweitern dadurch die Extensionen best. Gegenstandsklassen.


III. Das "New Riddle"

1. Das alte Induktionsproblem
1.1. Humes Problem: Unter welchen Umständen [circumstances] machen wir induktive Prognosen
( = Problem des Ursprungs und der Quelle [origin and source] von Induktionsschlüssen)
1.2. Die Fehlinterpretation Humes im Sinne des Problems der Rechtfertigung [justification]
- Wodurch sind wir zu induktiven Schlüssen berechtigt
- Forderungen induktionslogischer Modelle

2. Unlösbarkeit des Problems der Rechtfertigung
2.1. Neuformulierung des Problems: Beschreibung und Begründung eines unerreichbaren Wissens
- über die Richtigkeit von Prognosen
- über eine apriorische Unterscheidung zw. whren und falschen Prognosen
2.2. Was heißt Rechtfertigung?
Rechtfertigung als Gültigkeit innerhalb einer anerkannten Praxis (der gute Zirkel)








3. Die neue Aufgabe einer Bestätigungstheorie [Confirmation Theory]
3.1. Der gute Zirkel der Induktion [ A]




3.2. Bestätigung [confirmation] vs. Stützung [support]
- Jede Hypothese wird durch einen positiven Einzelfall [positive instance] gestützt
- Bestätigt wird sie aber nur unter folgenden Bedingungen:
+ Stützung durch Einzelfälle
+ Wenn der Einzelfall (Tatsachenaussage [evidence statement]) das über einen oder mehrere
Gegenstände sagt, was die Hypothese über alle Gegenstände der Klasse sagt
+ Generalisierung des gesamten vorliegenden Datenmaterials


4. Das Neue Rätsel [New Riddle]
4.1. Die Symmetrie von gesetzesartigen und zufälligen Prädikaten (Hypothesen, Aussagen)
GRUE GRüN
Definiert in "Grün-Sprache" "Grün vor t oder blau nach t" "Vor und nach t grün"
" " GRUE-Sprache" "GRUE vor und nach t" "GRUE vor t oder rün nach t"
Bestätigt zum Zeitpunkt t Gleichermaßen bestätigt

4.2. Relativität von Temporalität und "Qualitativität" eines Prädikats
Gutartiges Prädikat Bösartiges Prädikat
Allgemeinheit vs. Individualität
"Rein qualitativ" vs. Raumzeitlichkeit
Mittelbar bestätigbar vs. Nur unmittelbar bestätigbar
über andere Hypothesen

5. Das Problem der Fortsetzung/Fortsetzbarkeit [Projectibility]
5.1. Die verbliebenen Fragen; - "Was ist ein positiver Anwendungsfall einer Hypothese?"
- Was unterscheidet gesetzesartige von zufälligen Hypothesen im Hin-
blick auf ihre jeweilige Bestätigung durch Anwendungsfälle?

5.2. Der Mangel der Humeschen Analyse: Relativität des Regularitätsbegriffes


IV. Nachtrag zu 4.1.:
1. Definition von GRUE
1. 1. Goodman in FFF S. 74: "...it applies to all things examined before t
just in case they are green
but to other things
just in case they are blue"

Anwendbarkeit des Prädikates GRUE auf folgende Klassen von Gegenständen:
beobachtet vor to beobachtet nach to (noch) nicht beobachtet
grüne Dinge blaue Dinge blaue Dinge

Zeitpunkt to ist hier Zeitpunkt für Beobachtungen überhaupt!
Fortgesetzt werden Prädikate von Dingen unter best. Klassen.

1.2. Baker-Achinstein in "On the New Riddle ..." S. 511:
"...as applying to a thing at a. given time if and only if (Hervorhebungen v. mir)
either
the thing is then green and the time is prior to time t
or
the thing is then blue and the time is not prior t”
Anwendbarkeit des Prädikates auf zu bestimmten Zeitpunkten beobachtete Dinge:





Zeitpunkt t ist hier Farbigkeit eines Gegenstandes zu einer bestimmten Zeit!
Portgesetzt wird hier die beobachtete Farbe von Dingen.

2. Projezierbarkeit
1. Tatsächlich [actual] projeziert [projective] wird grün, nicht GRUE
2. Projezierbar [projectible] im Sinne: "kann tatsächlich fortgesetzt werden" ist grün, nicht GRUE
3. Kontrafaktisch projezierbar [could have been projected]: Frage, was dann anders mit der Welt
und/oder unserem Sprachverhalten sein muß.


(13670 mal gelesen) Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

Eigen, Manfred / Winkler, Ruthild
Freigegeben von: Wolfgang Melchior am 22. 08. 2003

Manfred Eigen (geb. 1927)

Einführende Biografie in Kindlers neues Literaturlexikon

------------

Manfred Eigen/Ruthild Winkler: Das Spiel. Naturgesetze steuern den Zufall, München Piper Verlag , 9.Aufl. 1985 [1975]

1. Der Anspruch: S.13
2. Die Thesen:
a) Physo-chemische Prozesse lassen sich am Computer simulieren; diese Algorithmen lassen sich als Regeln von Spielen beschreiben;
b) Zufall ist die durch Regeln eingegrenzte Ereigniswahrscheinlichkeit (Analogie: Würfel und Zugmöglichkeiten bei einem Brettspiel)

Optimierungsaufgaben

Strategien:
-indifferente Strategie So: Aufbau - und Abbaurate sind nicht vom Material (Bev”lkerung) abhängig. Unwahrscheinlich in der Biologie.
- konforme Strategie S+: Aufbau- und Abbaurate sind direkt proportional zur Populationszahl (Je größer, desto mehr geboren und sterben)
- konträre Strategie S-: indirekt proportionales Verhältnis zwischen Populationszahl und Auf- und Abbaurate

S+ So S-

S+ ++(variabel) +o(stabil) +-(stabil)

So o+(instabil) oo(indiff.) o-(stabil)

s- -+(instabil) -o(instabil) --(variabel)


3. Spiele:

1.) Nimm (nimm): (S.26)
ähnlich dem alten Hölzchenspiel; wer das letzte Steinchen nimmt, hat verloren (2, determiniert, endlich)
2.) Irrflug (random walk): (S.50)
Münzwurf entscheidet über Umwandlung; umschlossene Steine werden entfernt (Gleichwahrscheinlichkeit aller Mikrozustände) = drifting
3.) Ehrenfest Urnenmodell: (S.53/4)
wie 2.) nur mit anfänglichen Setzen (Streuverteilung) und Würfeln (Schwanken um einen Gleichgewichtswert=
Qudratwurzelgesetz: relative Exaktheit des Mittelwertes steigt mit zunehmender Kugelanzahl
4.) Alles oder Nichts (Katastrophenspiel): (S.62)
erwürfelte Kugeln werden verdoppelt (stetige Erhöhung der Trefferwahrscheinlichkeit nach Erreichen eines Schwellenwertes)
5.) Selektion: (S.70/1)
Kugeln haben verschiedene Wertigkeiten
6.) Survival: (S.80-2)
7.) Wahlverwandtschaft (Kooperation): (S.105/6)
8.) "Stay out of 2D!": (S.107)
9.) Struggle: (S.111/2)
10.) Life (nach Conway): (S.218-20)
11.) GO und Gobang: (S.234-37)
12.) Wachstum: (S.237-/8)
13.) Wachstumsbegrenzung: (S.254/5)
14.) Hyperzyklus: (S.260-62)
15.) RNS-Spiel: (S.319-21)
16.) Information: (S.324-26)

ORDNUNGEN:
Halbordnung
Youngsche Ordnung von Kardinalzahlen
Symmetrie


WACHSTUM:
- Ratenansatz: Abhängigkeit der Wachstumsgeschwindigkeit von der Menge
- Wachstumsgesetz: Änderung der Menge als Funktion der Zeit

Ratenansatz --------- Wachstumskurve

konstant linear
(Rate unabhängig von der Zeit) (lineares Wachstum/Zeit)

linear exponentiell
(Rate wächst linear zur Menge) (Menge wächst expon./Zeit)

exponentiell hyperbolisch
(Rate wächst exponen/Menge) (Menge wächst hyperb./Zeit)





(13778 mal gelesen) Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

Der Naturalismus - das naturalistische Drama
Freigegeben von: Wolfgang Melchior am 06. 02. 2002
Der Naturalismus - das naturalistische Drama


Vorbemerkungen:

ästhetische Kategorie oder historische Epoche?

naturalistische Stilmittel und Stoffe

Epochenbezeichnung: Jüngstes Deutschland, Sturm und Drang

Universelle Verwendbarkeit des Holzschen Kunstgesetzes

Naturbegriff

Unterschied: Radikalität des Realismus


Historische Wurzeln:

Abkehr vom Wilhelmismus und Nietzscheanischem Teutonimus:

Tragik, Einzelschicksal, die großen Kämpfe (Wagnerianismus) Brüder: Hart: "deutsch und modern", Antihellenismus

übergang: Deutsch und völkisch: keine Kunst fürs Gelehrtentum, sondern fürs Volk (gebildeter Arbeiter: Loth!)

- Thematisierung der Kluft zwischen Proletariat und Neureichen (Hoffmann)

- Thematiserung des Elends (Familie Selicke): materielle Seite und moralische Seite (Alkoholismus: Familie Selicke, Vor Sonnenaufgang)

- Neue Kohäsionen: Auflösung von Gruppenbindungen (Hoffmann und Loth)

Kunstgestzlich:

- wider die Schöngeisterei: Befreiung von den bürgerlichen Werten wie Familie, Ehe, nicht Entgegegnsetzung eines hellenistischen Ideals, sondern durch schonungslose Demonstration ihrer Schwäche (Friedensfest: FamilienKatastrophe, Nora): Leiden, Unterdrückung, Antihumanität -- Morscheit der Gesellschaft

Familie: Hort des Rückzug vom dem öffentlichen Leben in die Privatheit, wo die konservativen Werte weiterdümpeln -- Verlegenheitsidealismus: Ablehnung dekadenter Ideale

Zola: l?homme m?taphysique est mort tout notre terrain se transforme avec l?homme physiologique"

keine antibürgerliche, atheistische Bewegung: Christus als erster Sozialist (Holz), Feuerbachscher Psychologismus der Theologie

"Trugbilder der Unsterblichkeit" schon im Realismus (Keller)

Unterschied Realismus und Naturalismus:

Naturschöne als Gottesersatz , Optimismus, humanistischer Idealismus(Tragik und Fehlen wird positiv als Bewahrung von Freiheit umgedeutet)-- Menschlichkeit selbst wird ästhetisch, Pessimismus: Tragik ist schicksalhaft und unentrinnbar (Familie Selicke)

Neue Kategorien: Normalität vs. Extraordinarität

Adornosch: Das Allgemeine im Nichtidentischen aufspüren

Freiheit und Determination

Krisenerscheinung/Umwälzung auch in der Kunst

- Sozialismus: Milieudetermination

- Historismus: historisch determiniert

- Darwinismus: genetisch determiniert

- Beeinflußung durch ausländische Autoren (Zola, Ibsen, Björnsen)

1. Materialimus:

- kollektiv: klassenzugehörigkeit

- biologisch: Willen, Triebe

- mileudeterminiert

2. Nietzsche:

"Enthüllungspsycholgie" dekandenter Werte ("psychologischen Seziertisch")

3. Darwinismus:(wie Naturwissenschaften überhaupt):

Ärzte, Biologen

Thematisch: Vererbungsgedanke (Gespenster: Krankheit, Alkoholismus, Bild Häckels und Darwins in "Einsame Menschen"),

- moralische Umdeutung von Krankheit; Erbsünde -- vererbeten Krankheit

- Gott wird zum Zufall

- Kampf ums Dasein: Verlorene sind nicht mehjr nur Individuen, sondern Klassen von Individuen; die bloße Zugehörigkeit verdammt den einzelnen (Alte Hilse)

4. Brüchigkeit der Religion:

Nietzsche und die naturwissenschaftliche Methode (Seziertischmetapher, Sekundenstil Holzens)

Pastor Manders und die Heuchelei der Sklavenmoral

5. Positivismus:

Comtes Dreistadientheorie

a) theologische: Fetsichdienst

b) metaphysische: Idealistische Erklärungen; Abstraktionen, Warum-Frage

c) positivistische: Wie-Frage, Beschränkungen auf Wirkungen: Beobschtung und Klassifikation von Dingen unabhängig von ihren Ursachen

Theorie der Wissenschaften: Naturwissenschaften, dann Soziualwissenschaften, Forderung einer "Sozialphysik" mit individualistischem Atomismus -- neuer Begriff: Soziologie

Mensch als quantitaives Ding unter Vielen

6.) Taine: Taines Positivismus und seine drei Determinanten des Menschlichen: race, milieu, temp -- Begründer der Milieutheorie


Grundzug des Naturalismus: Der Kunst das Spekulative, Metaphysische und Gelehrte zu nehmen.

Direkte Bezugnahme und Einbeziehung naturwissenschaftlicher Verfahrensweisen in die Ästhetik: Sekundenstil, Milieubeschreibung, Dialekt, Szenendetailierung


6. Motive:

a) Der Fremde als Konstruktionsprinzip: Rückkehr aus der Fremde oder Einkehr des Fremden

- vorantreibendes Handlungselement

- episches Ich, durch welches der Autor die Fäden in der Hand behält (in der Regel wird eine statische, eingespielte, hermetisch-geschlossene Ordnung vorgestellt, die durch den Fremden dynamisiert wird)

b) Heimkehrer

c) der einzelne als Objekt (Verobjektivierung des Willens): Schicksal, Klassenzugehörigkeit, Milieudetermination

d)


Soziales Handeln

soziale Handlungssituation ist intentional unterbestimmt

Bezug durch

Folge-Zweck-Differenz

Erwartbarkeit: aufgrund von implizit anerkannter Normen

Bestimmungsgründe sozialen Handelns (nach Weber):

- zweckrational: Erwartungsnutzen

- wertrational: intrinsischer Eigenwert

- affektuell

- traditional. durch Gewohnheit

als funktionale Alternativen

Regulativer Charakter von Normen

Marx: Einbettung "in die Formen des gesellschaftl. Zusammenhangs"

so: Zwecke (Inhalt der Handlungsorientierung)

Gesellschaftliche Normen und Zwecke sind unabhängig vom individuellen Handeln gesetzt als Handlungsorientierung = Rahmenbedingungen und Mittel

dagegen: Anerkennung dieser ist ist ein bewußter Akt

Soziales Drama:

sozialer Hintergrund ist Voraussetzung für Stoff und Gehalt

- nicht ewig-menschliche Bezüge, sondern konkret-soziale

- notwendiger Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Verhältnissen und Charakteren und Handlungen: nicht Familienmitglieder per se als anthropologisches Moment, sondern Familie einer bestimmter Klasse

Der Begriff des Bürgerlichen: als antagonistischen Klassenbegriff gegen den Adel (Lukacs ) oder als Begriff des Privaten

Soziales Drama versus politisches Drama: = Bestimmtheit durch gesellschaftliche Klassenverhältnisse versus Auseinandersetzumng des einzelnen mit staatlicher herrschaft

Diesseitigkeit: Personal führt zur Aufhebung der Ständeklausel als

- Enttabuiersierung

- Bürgerschreck

- Intime Vertrautheit der Naturalisten


der Naturalismus wendet das bürgerliche Schema des "Bürgerlichen" auf dies selbst an.

aber: der soziale Charakter des Dramas wird nicht durch die Charaktere, sondern ihr gegenseitiges Verhalten bestimmt, welches das Problem formuliert

-- das Soziale ist kein Moment der Person, sondern ihrer

- materiellen Verhältnisse, die

- sich in ihrem gegenseitigem Verhältnis wiederspiegeln

Problem des Verhältnisses zwischen einzelnem und Gesellschaft: konkret durch Milieu

Bis: Verlust von Handlungsbewußtsein, und Handlungskontrolle

Bedingungen von Handlungen, die

- über Intentionen hinausgehen

- in sie konkret einfließen

- oder sie dominieren (Determinismus)




Die Dramen (Analysen)


Typen:

- Künstlerdramen (Michael Kramer, Kollege Crampton)

- Schicksals- und Familiendramen (Gespenster, Viertes Gebot)

Familie Selicke

-Kleinbürgermilieu

- Alkoholismus

- Weihnachtsabend

- Familie- und Ehekatatsrophe

- Hermetik: Geschlossener Raum durch alle Szenen hindurch

Stil: Sekundenstil: jede Szene steht für sich, ist durch Regieanweisungen geregelt


Die Ehre (Hermann Sudermann):

Heimkehrer, der dem Milieu entwachsen ist und nicht mehr zurückfindet (Entwurzelungsgedanke): Vorderhaus vs. Hinterhaus

Nora

Ehedrama

Wildente

Familiendrama

Hjalmar zwischen Lebenslüge (Relling) und jungem Werle ("ideale Forderung")

Geheimnisträger: Alter Werle und Junger Werle

Vergangenheit: Hedwig ist uneheliches Kind von Gina und Altem Werle

erst der Fremde (junger Werle) löst den dynamischen Prozeß aus.

typischstes analytisches Drama


Die Gespenster

Zentraler Topos: Selbstverwirklichung (pursuit of happiness) vs. Pflichterfüllung

Schicksal:

- "nicht nur, was wir von Vater und Mutter geerbt haben" (Alving)

- sondern "was man früher einmal gedacht und geglaubt hat" (vergangenen Werte)

also: Vererbung und tarditionelle, veraltete Normen (klassische Tragödie)

Problem der Heuchelei

Der Fremde Osvald

Schicksalsdrama und analytische Technik

Familiendrama:

Die Gegenwärtigkeit des Toten: "Von übermorgen ab soll es für mich sein, als ob der Tote nie in diesem gelebt hätte."

Leitmotivtechnik: Umfallende Stühle, klirrende Glas als Erinnerung an die Gespenster (Toten)

Oswald: "Die Sünden der Väter werden heimgesucht an den Kindern" Selbstinterpretation seiner Syphilis, an der auch sein Vater starb

Krankheit: vererbt oder in Paris zugezogen (Milieu)

Oswalds freie Liebe vs. Ehetyrannei der Frau Alving

Liebe des Jugendfreundes Manders vs. Liebe des Kammerherrn Alvings

Neigungs vs. Pflichtheirat

Pflicht ist das ewige Vernunftprinzip: Ehe geht auf Ewigkeit, nicht auf Glück (Manders)

Der Geist des Aufruhrs ist nach Glück zu verlangen (Manders)

Gegenprinzip zur Sklavenmoral Manders ist Oswald: "Lebensfreude", Arbeitsfreude", Dynamik (Weggehen)

Öffentlicher Skandal vs. privates Schicksal

Manders:

Der Hüter der Sklavenmoral

(siehe Paper)


Macht der Finsternis (Tolstoj)

Bauerntragödie

"Ist die Kralle hängengeblieben, muß das Vögelchen zugrundegehen"

Lügengeflecht Nikitas

Macht der Finsternis: Geldgier

Krtitik am Einfluß städtischer Zivilisation auf das ländliche Leben

Ideal: ländliche Ursprünglichkeit



John Gabriel Borkmann

(siehe unter Begriffsklärungen, Stichwort: analytisches Drama)


Meister Ölze (J. Schlaf)

Handwerker zum Mörder geworden, von der Stiefschwester - erfolglos - bedrängt, ein Geständnis abzugeben.

- Milieuschilderung

- Enthüllungsthematik ("Intimes Drama"): "eigentlicher Schauplatz des Dramas ist die vierte Dimension"


Das Friedensfest

Eine Familienkatastrophe

Patenstück: Die Gespenster

Typus: Schicksalsdrama

Antithese:

Friedensfest und Familienkatastrophe

Familiendarwinismus: Krieg aller gegen alle als absolute Antithetik

Weihnachtsfeier als Topos bürgerlicher Morschheit in:

- Reinhard Voß "Alexandra"

- Schaaf- Holz "Familie Selicke"

Vorgestellt wird eine Irrenanstalt, in der jeder abwechselnd sich zum Pfleger aufschwingt, um wieder in seinen Wahn zu verfallen -- Beschränktkheit der Charaktere

1. Krankheit:

- Kopfschmerzen,

- Verfolgungswahn Wilhelms und des Ehepaars Scholz ("Ihr habt euch alle gegen mich verschworen" (Fr. Scholz); "Ihr versteht mich nicht" (Dr. Scholz)) , Sarkastsiche Abartigkeit Roberts

- allg.: Psychopatholgie des Alltags

2. Personenkontellationen:

Die Fremden (Frau Buchner, Ida), die Familie (Frau Scholz, Auguste), die Heimkehrer (Dr. Scholz, Robert, Wilhelm)

Auflösung der Familie, die de facto gar nicht besteht: Dr. Scholz akzeptiert nur Fremde

die Ehe ist entfremdet: das Nicht-Passen wird als Bildungsunterschied, Milieuunterschied und Altersunterschied (16, 40) beschrieben (Frau Scholz kommt aus bescheidenen Verhältnissen)

ABER: Vereinzelung aller treibt sie gerade wieder in den Familienzusammenhang zurück

3. Vererbung und Milieu

Robert: "Produkt der Narrheit des Vaters", "von Grund auf verpfuscht"

Wilhelm: "von Kindheit an ein Taugenichts"

Internaliserung der Erziehung: "Ich werd ihm zeigen, was ein Taugenichts kann"

Auflehnung gegen den Vater, ist die Auflehnung gegen eine vergegenwärtigte Vergangenheit

aber auch: Vererbung als Willkürschicksal; das Hereinbrechen der Katastrophe (während des Spielens von "Alle Kinderlein kommet ..zum heiligen Vater") geschieht unmerklich und wieder sprachlos.

4. Zeit:

Vergangenheit: die eigentliche Handlung ist bereits vergangen (Schlagen des Vaters, die Erziehung, die Heirat, die Verlobung)

Frage: warum mußte die Ehe unglücklich sein?

Sühne = Befreiung von einer unverstandenen Vergangenheit

4. Inkonsistenz und Schicksal

Robert: Vater ist schuld und Wilhelm Auflehnung ist schuldig

-- Heuchelei

Motivierung der Katastrophe bleibt dunkel

5. Christliche Moral:

"Auf Schuld folgt Sühne, auf

Die letzte Frage Augustes: "Wer ist Schuld?"

Versöhnung findet sprachlos statt: Ist Friede nur in sprachlosen Dimensionen möglich oder zeugt dies von der Sprachlosigkeit der Charaktere?

5. Ehedrama:

Vater: Tyrann und unverstanden, Sonderling, Kind, will "Verständnis", weltmännisch? (kommt zurück und will den Mazze spielen, legt sich aber gleich ins Bett, auch: Szene: Robert oder ich), Idealist (Barrikadenkämpfer von 1848)

eigentlichen Konflikte bleiben abstrakt und unvollkommen

Buchner: "Im Dienste einer höheren Sache"

Willen, Hoffnung, Liebe sind zu schwach gegenüber Schicksal, Verzweiflung, Haß

Charakterisierung der personae

Zitate:

- Frau Buchner: "hochmodern und geschmacklos"

- Ida: "stillvergnügtes, eine verschleierte Heiterkeit und Glückszuversicht"

- "vergangene Zeiten" (Fr. Scholz)

- Rührung beim Angedenken an die "Anfangszeiten" (Buchner)

- "[Wilhelm] leidet an der Erinnerung furchtbar"

- Ehe: "keiner hat sich da reinzumischen"

- "Ja, es sind Klüfte" (Selbsstilisierung)

- Wille vs. "man mag hundertmal wollen, und es bleibt doch alles beim Alten" oder: "der Wille ist ein Strohalm"

- Taugenichts oder selfmademan?

- Hoffnung vs. "nichts verreden"

- Frau Scholz zu ihrem Mann: "Was hast du mir für Kummer gemacht, die ganze Zeit" (obwohl sie ihn gar nicht gesehen hat!)

- "Auf Schuld folgt Sühne, auf Sünde folgt Strafe" (Dr. Scholz)

- "Schickung" (poistiv; Fr. Buchner)

- Auguste zum Wiederkommen des Vaters: "Als wenn ein Toter nach Jahren wieder aufsteht. Ich hab Angst. Mama"

- Robert (selbsreflexiv), aber Martyrernimbus: höchste Selbststilisierung und Selbstgerechtigkeit, spielt nur Komödie, ist ihm bitterernst!, von anderen: Maske bitte ablegen! Robert: "Weihanchten,...nichts als eine plumpe Lüge"

- Fr. Buhcner: "..im Dienste einer bestimmten Sache" (Vorgeschichte ist doppelt: die Friedensarbeit Fr. Buchners und der Familienfluch)

- Robert: "sich auf seine eigene Art zu vergnügen" (auch auf Kosten anderer: Wurschtigkeit)

- Rückzug der Nitzsches (!)

- Stilisierung des Wilhelminischen Kampfes durch Fr. Buchner: er hat einen großen Kampg gekämpft,...mit dem heißen Wunsch nach Aussöhnung" (obwohl sie die "Fehlung" Wilhelm gar nicht kennt, welche er erst später erzählt) -- Lügenzusammenhang

- "Sie müssen sich vor ihrem Vater erniedrigen, erst dann können sie sich wieder frei fühlen" (Fr. Buchner) = Motto des Stücks, da deswegen die Aussöhnung auch nicht funktionieren kann: nur selbstbsetimmte, freie Mesnchen können Frieden wagen

- Psychologismus: Wilhelm (auf die Siirn deutend). "Da ist kein Stillstand! Schicksale in Sekunden! Mich selbst fürcht?ich! Vor sich selbst auf der Flucht sein: kannst du dir davon einen Begriff machen?"

- "Ich sehe auf einmal wieder Zweck und Ziel. Ich bin ganz konfus" (Wilhelm)

- "Alles ist geworden"

- Wilhelm Deklaratorisch: "Und nun ist Friede" (innerer Friede, Nachlassen des Wahns)

- Erschlafen, Aufwachen (Ida über Wilhelms Aktionismus)

- Das Geschenk stammt vom toten Vater Idas

- zum "O Kinderlein kommet": "Blasphemie", "Teufel"

- Scholz ist der Herr im Haus und geht und stirbt! : "Nicht schlagen! Nicht - wieder - schlagen" (Traumatopos).

- "Jeder Mensch ist ein neuer Mensch" (Robert zu Wilhelm: "Aber du mit Vater") vs. "man muß nicht Dinge leisten wollenn, die man seiner Naturanlage nach nun mal nicht leisten kann" (Wilhelm)

- "Fleischgewordene Widerspruch" (Robert zu Wilhelm)

- Robert: Flucht

Das Liebesverhältnis: Ida Reinheit soll Wilhelm reinigen (vgl. Helenes Wunsch durch Loth befreit zu werden)

Ida hat Vertrauen, Wilhelm ist fatalistisch.


Vor Sonnenaufgang:

1. Zeitgenössische Kritik: Handlung ist Null, roh, banal, , gemein

Drama in der Nachfolge Ibsens


2. Das Stück in sozialer Dimension:

- Nennt die Paupersierung der Arbeiter zugunsten der Bauern und Neureichen ("moderner Luxus auf bäuerischer Dürftigkeit")

- Arbeiterlelend nur peripher: Helenes Furcht vor den Bergleuten, Loths "Verkehrtheiten", Arbeiterklasse wird selbst nicht thematisiert, sondern ist nur der Rahmen -- Loths eigentlicher Bezugspunkt sind nicht die Arbeiter, sondern die Familie Krause


3.Der Fremde als Motiv und Handlungsmoment:

- Enthüllung gegenüber Loth ist die Entwicklungsgedanke des Dramas

Loth als Katalysator oder treibendes Moment?

er ist nicht bloßer Spiegel der Verhältnisse, sondern auch auch dramatisch eigenständig

funktionale Rolle --


4. Ökonomische Verhältnisse und Vererbung

Thema: Sozialisierung der Vererbung, ungesellschaftlich-biologistische Auffassung (keine klassenmäßige, soziale Dimension)

Vererbung ist nur möglich in einem bestimmten Milieu; deswegen will Helene weg und deswegen flieht Loth auch

Herrenhut: Ort des Geistvollen-Alkoholfreien

Milieu: dekandent, neureich, ehehbrecherisch, verfallen, morsch

dagegen die Fremden: Helene (aufgewachsen in Herrenhut) und Loth


5. VS - eine Liebestragödie, Loth und Helene?

Gegenseitiges Interesse:

Helene: Selbstbezüglichkeit, interessenloses Bildungsideal, Loth als Rettungsanker

Selbstbeschränkung

Loth: unschuldiges Wesen

Komplementarität zwischen Loth und Helene (Dialogstruktur in der Scheune)


Loth: Verkehrtheit des Milieus Grund Sollen/Veränderung der Verhältnisse

Helene: Geistlosigkeit des Milieus Faktum Wollen/Flucht vor den Verhältnissen

Loth: Glück aller Politik positives Ideal

Helene: Eigenes Glück Moralkritik negatives Ideal


6. Wissensbegriffe im Unterschied:

Loth Hoffmann Helene

Aufklärungsideal. Wissen, um Praktisches Wissen Wissen als Kontrapunkt zum Milieu ("Medizin")

zu beglücken

Helene will Superiorität, Loth will Aufklärung und Befreiung, Hoffmann Nutzen


7. Veranlagung und Moral

Loth über sich: "kein Verdienst, ich bin eben so veranlagt"


Selbstbeschränkung Helenes in Handlungsalternativen: Freiwillige Abhängigkeit

Mechanik von Determination erzeugt Fatalität:

- Milieu -- Geistlosigkeit und Öde

- Selbstbeschränkung

- Vererbung erworbener Eigenschaften

Das Soziale ist detreministisch über die Verebung von Verfallserscheinungen, für die Dekadenz und die Verkehrtheit der Verhältnisse der Spiegel sind.


Die Vereinzelung durch den Alkoholismus

Entzug dem zwischen menschlichen Bezug durch das Laster

Wirklichkeit wird als Schicksal, als erratischer Block von unentrinnbaren Gegebenheiten gesehen.

- Freundschaft vs. Geschäftssinn: Mißtrauen Hoffmanns, als er von den Plänen Loths erfährt

- Hoffmann, Loth und Schimmelpfennig: Neureichen gegen gebildeten Proletarier: Pragmatismus ("praktisch, praktisch..muß man verfahren") und Idealist ("sine qua non", nicht Menschen, wie sie sind, sondern wie sie sein sollen; Loth über Kampf um Rom; Vorbildfunktion)

- die Leere des Praktischen und Vorbildhaften: Loth erkennt dies in der Verkehrung, kann es aber nicht praktisch umsetzen -- doktrinär beschränkt

- Arbeiter fungieren als Bedrohung am Rande (Angst Helenes)


- Gestik Helenes, fragmentierter Stil

- Ehebruchsmotiv


Die Kunst - ihr Wesen und ihre Gesetze (Arno Holz)

(siehe unten)




Vererbung

in Vor Sonnenaufgang

- als Symbol für die Verhaftetheit der Gesellschaft an alten Moralvortsellungen (Gespenster)

- als Symbol für den Gegensatz von Individuum und Gesellschaft: Gesellschaft reproduziert sich über ihre Normen durch die Indiviuen, die ihnen verfallen zu sein scheinen

- als Symbol strenger Kausalität -- Schicksal als Determinismus oder Fehlen von Willensfreiheit -- Ohnmacht

Kerngesundheit von Loths Vorfahren vs. degenerierte Bauernmilieu (Bär, Kahl, Krause)

Dr. Schimmelpfennig als Aufklärer über die vererbungszusammenhänge

Totgeburt -- Aussterben des Bauerntum, Symbol seines moralischen Verfalls

Helene erblich belastet?: Tod weist darauf hin: die schwachen müssen sterben


in Friedensfest

Scholz ähnlich Alving: Sonderling, weitgereist, trunksüchtig

Kinder als Abbilder der Eltern

Erziehung nicht als Modifiaktion, sondern Verstärkung der Vererbung (ja vielleicht: Milieuersatz)

aber: Vererbung (Determination) verliert an Kraft, Schicksal an Bedeutung

Ida: Reinigung durch Vermischung

In Gespenstern

Darwinistisches Gleichnis (Kerr)

In Nora: Dr. Rank muß für das ausschweifende Leutnantsleben seines Vaters büßen = Oswald für Alvings Leben

a) Persönliches Schicksal:

Oswalds Tod: nicht durch eigene Schuld ("von Geburt an was Wurmstichiges")

Vater war vor seiner Geburt "ein gebrochener Mann"

auch Regine ist "bedroht": Engstad will sie als GoGoGirl in einer Seemannskneipe verdingen

Anbeorene Lebensfreude Alvings (er konnte nicht anders)

b) Gesellschaftlich-moralisches Schicksal

ausgestorbene Ideen geistern weiter in uns (Frau Alving)


Schicksal als milieumäßige und biologische Determination gesetzt gegen die Willensfreiheit (Frau Buchner)

Drei Verhalten:

- Versöhnung mit dem Schicksal: Findung

- Kampf gegen das Schicksal (Helene, Wilhelm, Frau Alving)

- Resignation (Oswald)

Es sind die schwachen Menschen, die vom Schicksal zermalmt werden, die Opfer der Sklavenmoral oder die ideologisch Gläubigen (Hedwig, Helene)


Schuld: keine externe Relation (Individuum vs. gesellschaftl. Moral), sindern ein Selbstverhältnis

Schuld ist keine moralische Eigenschaft mehr, sondern eine kausale




A Brief History of literary Naturalism


Andere Bezeichnungen der Zeitgenossen: Moderne, Jüngstes Deutschland, Sturm und Drang

Einfluß: Rußland (Tolstoj, Dostojewski), Frankreich (Zola) und Norwegen (Ibsen, Björnsen)

Das Soziale: Aufgreifen zeitgenösssicher Themen:

- Dissozierung der Familie

- die Frauenfrage

- Mechaniserung des Lebens

Liebe als Trieb, Willen als Dogmatismus

-- Entlarvungskunst

Realistenprozeß gegen Conradi, Alberti und Walloth wegen Verletzung des Schamgefühls

Sprache: Dialektal, prosaisch, umgangssprachlich, nonverbale Elemente

Realismus meinte sowohl sozialen als auch psychologischen Realismus (Stimmungsnaturalismus): begrenztes Personal, geschlossene Dramenform (inheit von Raum und Zeit)

analytische Technik und Nietzscheanischer Zeitbegriff:

Wiederkehrgedanke, Geschlossenheit, Vergangenheit wirkt unmittelbar (die absolute Nähe)

1889 Gründung der Freien Bühne durch Hauptmann, Otto Brahm und Holz und Schlaaf

Bühnengründungen: Akademisch-dramatischer Verein (München), Freie Volksbühne (Berlin)

Julius Hart in "Kritische Waffengänge" (1882)

Carl Bleibtreu in "Gesellschaft" in München: Geschichtsdramen

Zola: Kunst als "coin de la nature, vu travers un temperament"

Holz in "Kunst- Ihr Wesen und ihre Gesetze": Kunst = Natur - x, wobei

- Natur variabel ist

- x stets unter dem geseichtspunkt historischer Reproduktionsbedingungen und deren Handhabung" steht

"Kunst hat die Tendenz wieder Natur zu sein"

Die Formel beansprucht also universelle Gültigkeit!

Holz und Schlaaf: "Familie Selicke" (1890 auf der "Freien Bühne")

Wirkung: "Stimmungskraft der Rührenden" und nicht Nachzeichnung des Wirklichen

Anzengruber: "Das Vierte Gebot"; Wiener Volksstücke

Moralkritik als Gesellschaftskritik

Berliner Kreis: Max Kretzer, Mackay und Julius Hart ("Der Sumpf": realistischer Maler und die femme fatale der Großstadt [Hure Babylon]; endet im Selbstmord)

Hermann Bahr: "Die neuen Menschen": Sozialismus- Hoffnung und Dirnenkult (Sozialistenpaar und Hure)

Hauptmann: "Vor Sonnenaufgang" (uraufgef.: 20. 10. 1889) in der "Freien Bühne" (eröffnet mit Ibsens Gespenstern; Verbindung: Enthüllungstechnik und Vererbungsgedanke)

Friedensfest ("bedeutenster Beitrag zum Naturalismus")

Hermann Sudermann: "Die Ehre": Heimkehrer, der dem Milieu entwachsen ist und nicht mehr zurückfindet (Entwurzelungsgedanke): Vorderhaus vs. Hinterhaus



Begriffsklärungen


Konversationsstück: Pointenhaftes Stück, gepflegte Unterhaltung, wenig Handlung, viel Dialog

Sekundenstil: Atomisierung und Verlangsamung (Zeitlupe) der Handlung durch Regieanweisungen, paraenthetischer, abgehackter Stil, alle Einzelheiten werden dargestellt

Mechanistische Auffassung von Handlungen, Präzsision, Objektivität

Schicksaltragödie:

Mythos -- Unentrinnbarkeit der Zeit selbst, Vergangenheit als das Ewig Gegenwärtige

oft: nur Athmosphärisch

Inneres Drama oder Seelendrama:

Leben und Geist identisch (Geistigkeit ist das tief verbindende Fluidum und damit die Verbindung aller Menschen)

Geist ist selbst ein dramatischer Prozeß, er braucht nicht unbedingt verbalisiert werden

Negation der Tat: Handlungen haben einen anderen Bezugspunkt als Wirkungen und Intentionen von Sprechakten.

"Umeinander winden" ist die soziale Bewegung der Menschen

- Im Sozialen fallen Komplexität der Wirklichkeit und Charakter (Adäquatheit) zusammen; das Soziale ist die Bewegung des Lebens selbst

- das Soziale als Volksseele, als Vorfinden eines Wesentlichen und Geistigen

Hauptmann - der Dichter des sozialen Mitleids oder Der Dichter "mit dem Zwangsgedanken sozialer Gerechtigkeit"?: keine Revolution, keine Politik, Auflehnung gegen die Seelenverletzung des schwächeren Volksteils als "heimliches Trauma"

Analytisches Drama:

Problem: keine Episierung des Drama,

Epos: Vielfältigkeit des Stoffes

deswegen Goethe Forderung nach: Exposition schon Teil der Entwicklung

Stoffwahl: "Alles ist schon da, und wird nur herausentwickelt" (Einbau der Exposition in die Dramatik)

John Gabriel Borkman: Hermetik des Landhauses mit Ella (Schwester Ellas), seine Frau Gunhild und John Gabriel

Vergangenheit: Liebe zu Ella, aber Heirat Gunhilds wegen Bankkarriere (Unterstützung Hinkels, der um Ella warb, die ihn aber abwies), Denunziation durch Hinkel (der hinter der Abweisung Borkman vermutet), Gefängnis, Sohn bei Ella

Vergangenheit: nicht als Einzelerlebnisse oder Motive, sondern die Zeit als ganze ("das Leben", "verfehltes Menschenleben")

Gefängnis -- nicht Freiheit, sondern Tod

Vergangenheit nicht Funktion der Gegenwart, sondern Gegenwart ist nur Anlaß der Heraufbeschwörung

Zeit: entweder Ereignisberichtetes oder Funktionalisierung

Im analytischen Drama:

- als Leitmotivtechnik

- oder als Vererbung (Schuldgedanke Oswalds)

Bruch eines Bündnisses zweier "Geheimnisträger" in der Handlungsgegenwart:

Tönnessen und Bernicke ("Stützen"), Nora und Krogstadt ("Nora")

Schicksalzusammenhang: öffentliches Ansehen und moralischer Rigorismus

Familie als Fortsetzung des Arbeitslebens (moralische Normen): Erpressung kann nur aufgrund des moral. Rigorismus entstehen, und dieser droht die Ehe zu zerstören

Verlagerung vom singulären Ereignis (Heirat, Schlagen des Vaters, Kreditaufnahme Noras) auf die Zeit ("das ganze verpfuschte Leben")

Deswegen kann der Konflikt auch nicht durch ein Ereignis (Vertragen, Geständnis, Trennung) gelöst werden

Das Skandalöse wird in das Schicksalhafte umgebogen: Verdinglichung der Zeit.

Fatalismus in den Gespenstern: Pfeife des Vaters, dies fatalis des 10. Todestages, Brand des Asyls

Warum Rücknahme des Skandals durch private Konsequenz (Selbstmord, Gehen)?

Hervorhebung der Lebenslüge vor dem öffentlichen Skandal (Theater als moralische Anstalt)

Skandaldrama -- Fataldrama




Szondi- Theorie des modernen Dramas


Form und Inhalt: Identität oder Dialektik

formale Aussage und inhaltliche Aussage

E. Staiger: drei Ekstasen der Zeit, lyrisch, episch,

Drama ist absolut: Abwesenheit eines übergreifenden Ichs; Entscheidungen sind Teile von Handlungskosntellationen und Charakterintentionen, -- Drama ist geschlossen

Passivität des Zuschauers: er ist nur über die durch die Handlung evozierten Affekte angesprochen, nicht direkt angesprochen

Drama ist primär: Drama stellt selbst dar, ist nicht Abbild von etwas Darzustellendem (Abwesenheit des Zitats)

Drama ist absolut gegenwärtig: Zeit ist immer Gegenwart, Selbststiftung der Zeit -- ZeitEinheit des Dramas

Drama ist absolut motiviert: Ausschaltung des Zufalls und Motivierung der Handlung (Lessing)

Krise

Hereinbrechen der offenen Form

als Begreifen neuer historischer Wandlungsprozesse

analytische Technik: nicht Furcht vor dem Geschehen, sondern, daß "etwas geschehen seyn möge" (Schiller)

"Exposition der Konflikt ist schon Theil der Entwicklung" (Schiller)

eigentliche Handlung ist schon geschehen, dadurch ist zusammengesetzte Handlung möglich, die der Tragödie widerspricht (Entwicklungsgedanke)

John Gabriel Borgmann: Zeit wird selbst zum Thema

- Flucht aus dem Gefängnis der Vergangenheit

- Vergangenheit ist aber nicht mehr Funktion der Gegenwart (wie im Ödipus), sondern

- Gegenwart ist Anlaß zur Heraufbeschwörung der Vergangenheit (absolute Vergegenwärtigung)

- Verinnerlichung der Vergangenheit : Leitmotivtechnik, wo das Gleiche in immer neuen Formen auftritt, Symboltechnik

Glasklirren in den Gespenstern

Tragik ist nicht der Tod, sondern die verinnerlichte Gegenwart der Vergangenheit


Dramatisches

Zwischenmenschlichkeit -- entfremdete Objektivität

Determination vereinzeln die Subjekte

Loth, das epische Ich, als der Femde, der Wissenschaftler, der dem Milieu ditanziert gegenübersteht, er hat nur funktionale Rolle

Anlaßgebundenheit der Handlung

Thematische Verbrämung des Epischen

Episches Ich wird in der objektiven Sprache des Naturalismus vorausgesetzt

Drama als

(1) gegenwärtiges

(2) zwischenmenschliches

(3) Geschehen

wird im Nat. fraglich

bei Ibsen: Gegenwart -- Vergangenheit selbst oder Gegenwart als Heraufbeschwörung der Vergangenheit

Zwischenmenschliches -- Innerlichkeit (Friedensfest) oder Außermenschliches (Vor Sonnenaufgang, Weber, Biberpelz)

Neue Subjekt-Objekt-Relation: Charakter und Handlung sind jetzt Enthüller und enthüllte Vergangenheit

Relativierung der Absolutheit von (1) bis (3) durch Subjekt-Objekt-Diemsnionierung

Problem: Darstellung der verinnerlichten Vergangenheit (Ibsen), Darstellung der Milieu durch Handlungen (Hauptmann)

Widerspruch zwischen epischer Thematik und dramatischer Form


Naturalistisches Drama als Rettungsversuch

Flucht in die fremde Gegenwart

Flucht aus der Zeit als Archaisierung der Zeit

Sozialer Abstand des nat. Dramas: Mitleidsdramatik als Distanz zum Gegenstand

Identität von Personal, Zusschauer und Dichter durch gleiche Nähe zum Dargestellten (Projektionen des historischen Subjekts)

Soziale Drama ist der Selbstreflexyionsprozeß des Bürgertums über sich selbst

Die Entfremdung der Personen voneinader drückt die Entfremdetheit der Bürger voneinander aus

Milieu: ist nur dem Dichter vollends zugänglich -- Episierung, um die Dissozation wieder aufzuheben


Brechts Gegenüberstellung von Naturalismus und (Sozialistischem) Realimus und seine Kritik am Naturalismus

- Selbstverliebtheit des Spätbürgertums in ihren eigenen Untergang (Mehring, Lukacs)

- Ästhetisierung der Politik (Benjamin. Lukacs)

- Schicksal sei die ideologische Versachlichung des Verblendungszusammenhang, in dem die Subjekte stünden (Lukacs). Dafür spricht auch die fatalistische Geschlossenheit der Thematiken und Mittel

Brecht:

NATURALISMUS REALISMUS

- Gesellschaft als Stück Natur

- Ausschnitte aus der gesellschaft

(Familie, Schule) sind Welten für sich

- das Milieu

- Reaktion der Individuen

- Atmosphäre

-. Mitgefühl, Mitleid

- Vorgänge für sich selbst

- das Detail als Zug

- Sozialer Fortschritt empfohlen

- Kopien

- Zuschauer als Mitmensch

- Publikum als Einheit

- Diskretion

- Mensch und Welt,

vom Standpunkt des einzelnen


Kritik: Beschreibung der schlechten Verhältnisse, wie sie sind ohne

- Klärung deren Entstehungsursachen

- deren Veränderbarkeit

-- Verewigung der Verhältnisse





(9623 mal gelesen) Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

Dadaismus
Freigegeben von: Wolfgang Melchior am 06. 02. 2002
Der Dadaismus


Die Krise der Literatur:

Drei Wege:

1.) Politisch-revol. Richtung: Mühsam,
Toller

2.) l´art pour l´art: Ästhetizismus:
Hans Arp

3.) Dekonstruktion: Zerstörung
traditioneller Sprache zum Aufbau einer neuen Sprache, die zur
Essenz der Dinge vorstößt: Hugo Balls Essentialismus

a) Bedeutung: Zerstörung des
Satzes

b) und sogar: Sinn: Zerstörung
der Sprache und der Worte

Zwei gegensätzliche Konzepte

Hugo Ball

"Alle Dinge sind nur noch in
der Zersetzung denkbar"

1. Phase:

Preisgabe des Satzes: Herauslösen
der Worte (Isolierung = Freiheit)

und Preisgabe des Wortes, die nur
noch als Vokalbel stehenbleibt

-Simultangedicht (=Lautgedicht):


-Stimmorgan vetritt die Individualität

- Verschlungenheit der Individualität
mit dem mechanistischen Prozeß

- Kunst nicht Selbstzweck, sondern
Weltverständnis

- Laut ist der letzte Bezitrk der
Sprache der nicht präformiert und besetzt ist

- dionysisches Element:

* Glossolallie ist die rauschhafte
Verzückung, göttliche Entrücktheit

* Laut ist die ürsprünglichkeit

Die Wortmystik: Glaube an etwas ursprünglich
Reines (Kindervorstellung)

"Wortalchemie" (Ball)

Einheit von Sprachskepsis und Sprachglaube:
vollendete Skepsis bringt vollendete Freiheit, die im Chaos mündet.
Aus Chaos entstehen "Grundbilder", die den Glauben an
das Wort und durch das Wort wiedereinesetzen


Beispiele: Gadji beri bimba, Die
Karawane

2. Phase:

Religiöse Gedichte, Mystizismus

Historische Themen: "Die Folgen
der Reformation", "Kritik der deutschen Intelligenz"

Ziel: Desavouierung des protestantsichen
Preußentums als Inbegriff von Systematik und der Katholizismus
als barocke Lebensbejahung.

Magische Bennung --> Quasi-Identitäten
schaffen (Nominalismus)

Drei Dinge der Kunsterschütterung:

- der Massenmesch

- Entgötterung der Welt

- Auflösung des Atoms in der
Wissenschaft

--> Verschwinden von Sinn

nicht lingua adamica, sondern lingua
divina: Versubjektivierung der Sprache.



"Flucht aus der Zeit"

Die Trennung von Ich und Gesellschaft
= Künstler und Gesellschaft

Betrug als Selbsterhaltung (gegen
den Expressionismus):

Der Künstler betrügt sich
selbst, wenn er für alle spricht

Gestalten = sich abgrenzen gegen
das bereits Gestaltete

Bilder der freischaltenden Imagination
(Surrealismus) sind bereits gestaltet --> Täuschung der
Ursprünglichkeit

Kritik am Expressionismus: Abstraktheit
wird mit Primitivität verwechselt

Freiheit mit Herrengestaltungswahn

doch: auch der DADAISMUS kann sich
dem Gestaltungswahn nicht entziehen: "Dichten wird das Leben
täglich um, Neuschöpfung!

Alle Dinge sind nur noch in der Zerssetzng
vorhanden


Simultangedicht: nimmt diesen Zersetzungsgedanken
ernst und wendet ihn gegen sich selbst

"Wert der Stimme": "..zeigt
die Verschlungenheit des Menschen in den mechanistischen Prozeß"

Sprachskepsis = vollendete Freiheit:

Futurismus: Befreiung des Wortes
aus dem Satz

Dadaismus: magische Erfüllung
der Vokalbel, die einen neuen Satz beschwört, Preisgabe des
Wortes, Ruckzug in die Alchemie ds Wortes

Rimbauld: Patron unserer vielfachen
Posen, Stern der ästhetischen Desolation

Lautgedichte: nach musikalischen
Gesichtspunkten konstruierte Verse


2. Hans Arp

Spielerei

lárt pour l´art

romantische Sehnsucht nach dem Ursprünglichen:
verzauberung durch das erratische Wort

Wohlklang und Harmonie

"Kaspar ist tot": romantische
Vokabeln: idyllisch, Naturmetaphern


3. Hans Serner - die Künstlerproblematik

Mottos in Letzte Lockerung

"Jeder sein eigener Papst"


"Die Welt will betrogen sein.
Sie wird aber sogar ernstlich böse, wenn du es nicht tust"

"Banalisiere immer"

"Dramatisiere nie"

"Vereinfache immer"

Gegensatz von Ich zu

- Gesellschaft als dem Anderen

- der Welt, die sich dem Erkennen
widersetzt ("Die anderen sind die Unfreiheit")

Zuwendung zu Verbrechern: nur durch
Verbrechen wird die Gewalt des Staates gebrochen, nur dadurch
wird keine Pflicht anerkannt

Außenseitertum soll die Entfremdung
stilisieren

Kunst muß auf ihre Authenzität
hin überprüft werden


Abgrenzung:

"Frechheit als Waffe" oder
die Funktion des Publikums:

a) einmal als Objekt des Skandals,
der Zuschauer nicht mehr als Konsument, sondern als Opfer seiner
eigenen bornierten Kunstrezeption

b) als Gegenstand der Abgrenzung
des Künstlers: Demonstration der heroischen Hermetik des
Künstlers

c) als Instrument küstlerischen
Chaos: lancierte Falschmeldungen, gefakte Club- und Vereinsgründungen
--> Öffentlichkeit wird selbst zum Mittel der Selbstdarstellung




Protest: sprunghaft, unberechnebar
und permanent

Rauschhaftigkeit des Ausbruchs


DADA als Vereinheitlichungsbegriff

1.) DADA als Dekonstrukteur und Sprachkritiker

Betonung des Individuellen vor dem
Allgemeinen:

des Wortes vor dem Satz und der Syntax,
des Buchstabens vor dem Wort, des Klangs vor dem Zeichen

Befreieung der Referentialität
der Worte:

- auf bestimmte Gegegnstände

- auf Gegenstände überhaupt

Fallenlassen der Worte: Worte -->
Laute (Vers ist eine Gegelegenheit möglichst ohne Sprache
und ohne Worte auszukommen)

Worte sind keine privaten, sondern
öffentloche Angelegenheiten


Sprachkrise

Sprache nicht mehr als ästehetisches
Gestaltungsmittel, sondern als Konstrukteur von Welt (Ausdruck
des Erkennens)

Sprache als System von Normen nicht
mehr als Gestaltungsmittel wird zum Hindernis des Eigentlichen

Nietzsches Begriffskritik: Begriff
ist die Wiederholung des Gleichen als Vereinnahmung des Verschiedenen

Sehnsucht + Skepsis = Mythos

DADA ist:

-präsentistsich

- indifferent: offen für Vielfalt

- ich-unmittelbar

- ihrem Material und nicht der künstlerischen
Ausdruckswillen gerecht ("magische Vokalbel")

- ein Akt des Entstehens und nicht
sein Resultat ("aus dem Nichts")

- Deviativ: Abweichung vom allgemeinen
Verwednugszusammenhang entweder durch Rekombination von Bekanntem
oder Atomisierung --> Mythos des Neuen und

DADA als Kritik am System (negativ)
als auch Ausdruck einer Unmittelbar (Schöpfergott), ein Weiter
und ein Zurück zum Primitiven

-

Das Material für die Kunst ist
beliebig, es muß nur geformt werden

2.) DADA als Antikunst

2.1. Antiexpressionistische Kunst:
gegen die Verinnerlichung des Ausdrucks


3.) DADA in der Zeit:

3.1. Aktionskunst als antihistoristische
Kunst



4.) DADA und der Künstler

Cabarett Voltaire steht in der Tradition
der Künstlergesellschaften

siehe Kritik Hülsenbecks: Salon
für kunstbeflissene Bourgeoisie

Unwillkürlichkeit der Worte
---> Surrealismus und escriber automatique


Wortkunst

künstelerische Logik, vs. Verstandeslogik

Wort vs. Satz: Wort als Konnotat
vs. Wort als Funktion

Frage: subjektive Anordnung und Auswahl
-->Willkür und Zufall

Kunst ohne Adressat und Interpretation:
Dichtung ist die Sichtbarmachung von Bildern, nicht deren Vermittlung
(Walden) =>

a) Wittgensteinscher Gegensatz von
Zeigen und Sagen: Sinn ist in actu

b) Voraussetzung: Offenbarung

Walden, Herausgeber des "Sturm":

Matrial der Dichtung ist das Wort,
Form ist der Rhythmus (anstatt Metrik)

Rhythmus ist die Bewegung des Gedankens
- Der Gedanke ist in Form eines Bildes vorrätig

Gleichnis ohne Rücksicht auf
die Erfahrungswelt ("höhere Form")

Das Bild als



Tonkunst vs. Dichtkunst

Tonkunst benennt das Material eindeutig

Die Entstehung des Wortes DADA

- in einem Gedicht Balls von 1914:
Verdoppelung von dort/da

- Pluralität und Universalität:
in mehreren Sprachen verchiedene Bedeutungen

- viele Erfinder: Hausmann (Am Anfang
war DADA)


Geschichte

1. Kunst

1908 Kandinsky abstraktes Kunstwerk,
Kubismus

Worringers "Abstraktion und
Einfühlung"

1909 Futuristsisches Manifest

Expressionismus und der "Sturm":
Rhythmus als Bewegung des Gedankens, Gedanke als Bild und der
Rhythmus ist dessen Ablauf

1911 Salon des Independants von Picabia
und Duchamps

Kasimir Malewitsch: Suprematismus
und die Theorie der gegenstandslosen Empfindens, keine Welt als
Wille oder Vorstellung


5.) DADA und Nietzsche

I.) Futurismus und Marinetti als
Vorstufe des Dadaismus

1. Befreiung der Worte aus dem Satz:
Zerstörung der Syntax, zufällige Anordnung der Substtantive,
keine Zeichensetzung (parole la liberta)

2. Analogie als Zeichen der Zeit:


a) Erhöhung der "Fluggeschwindigkeit"
--> Verschmelzung von Bild und Gegenstand und dessen Wiedergabe
in einem Wort (keine Partikel wie, gleich usw.)

b) Polyphonie und Simultaneität
der Welt

3. Dichtung ist ein engmaschiges
Netz von Bildern komprimiert in Worten

4. Prinzip der größtmöglichen
Unordnung

5. Zerstörung des "Ich":
Mensch als museales Wesen --> Mensch als lyrische Besessenheit

6. Intuitive Psychologie der Materie:
nach dem Menschen als Lebewesen kommt der Mensch als Maschine
als Ersatzteillager

der futuristische Held ist der Nietzscheanische
übermensch

II.)


Dadaist als Anarchist

1. Außenseiterexistenz innerhalb
der bürgerlichen Gesellschaft

2. Negation und Destruktion von Normen:
Normverstoß als Selbsterhaltung, da Normen Verständigungsmittel
der bürgerlichen Gesellschaft sind

3. Selbststilisierung ---> Selbstbehauptung
innerhalb der Massengesellschaft


Bewegung und Stillstand

Ausgangspunkt: Im Fortschritt reproduziert
sich das Alte immer wieder

Bewegung per se wird zum Formprinzip:
Sprunghaftigkeit, Skandal

Schöpfermythos als Vitalismus:



Historische Wurzeln

Bohemekunst

Großstadtmilieu als Nährboden:

Marginalisierung des Künstlers
und Ausdruck seines Selbstbehauptungswillens

große Gestaltungsmöglichkeiten
(liberale Moral) vs. Angst vor dem Verschwinden





Vitalismus:

Tod und Lebensmetapher


Kurt Schwitters:

Von vielen UrDADAS als Kleinbürger
abgelehnt

von Hausmann von Hannover nach Berlin
geholt

Merzausstellungen 1918/19

Gedichte:

Demontagetechnik: Versatzstücke
massenmedialer Umwelt neu rekombiniert

Verben werden substantiviert

Anna Blume:

- nicht Schock, sondern Verwirrspiel
mit barocker Liebeslyrik

- Wortinitiation: Auf einer Schiffsplanke:
"Anna Blume hat einen Vogel" oder Handtänzerin
eines Varieteés (Arnold)

--> Suche nach dem Referentiellen
war gewollt

- Anna Blume ist selbstreferentiell:
Geliebte meiner 27 Sinne = Alphabet

- Typographisches: Die Preisfrage
ist nach einem Syllogismus aufgebaut, der jedoch falsch ist

--> Kunst verweigert sich gegenüber
der Logik: alter dadaistischer Topos, daß "Kurzschlüsse"
nicht mehr funktionieren (Ball: "Alles funktioniert, nur
der Mensch nicht mehr")

- Komplemantarität der Farben:
rot-grün, blau-gelb

- Reimzwang

- Grammatikalismus: wie Schulübungen:
du, deiner, dich, dir...

- Drei Ebenen: Ich, Du, die Leute

- Verschmelzung der Person mit ihrem
Namen: du bist von vorne wie von hinten

übergang zum Collagismus:


"Untergrundgedicht"

Erinnern an Bennsche Großstadtgedichte
(Berlinzyklus)

Merz als Gesamtkunstwerk: Collagetechnik




En avant Dada (Richard Hülsenbeck)




"Und ich, der Allophage

verliebt in deine Heizanlage"



Die Einheit: Wort und Bild sind eins.
Maler und Dichter gehören zusammen


Bruitistsisches Gedicht: "Ende
der Welt", "Der Baum"


Welt in Auflösung, die nicht
mehr durch ein lyrisches Ich zusammengehalten werden soll und
kann --> Verselbständigung der Bilder gegenüber ihrem
Gehalt (futuristsische Tradition)

Essentialismus: "eine Trambahn
wie sie ist, die Essenz der Tarmbahn"

Simultangedicht

"Phantastsiche Gebete",
Regieanweisungen

Auflösung einer zeitlichen Ordnung

Verschlungenheit des Menschen in
dem mechanistischen Prozeß: Widerstreit der vox humana gegen
den Rhythmus der Welt

Kausalität --> Gleichzeitigkeit
großstädtischer Eindrücke:

Hintergrundrauschen, Stimmen

handelt vom Wert der Stimme gegenüber
ihrem Produzenten

aber "Sängerkrieg an der
Spiegelgasse" (Hülsenbeck)

Durcheinandrjagens aller Dinge

Klanggedicht oder Lautgedicht

"Krawane"

2. Ballsche Phase: Laut vs. semantischer
Gehalt

Theatralisierung und Lithurgisierung

Zufall, aber nicht Willkür als
Konstruktionsprinzip

Verse ohne Worte

Collagenkunst

Indifferenz des Materials -->
Gesamtkunstwerk

Aufgreifen von Vorgefundenem (Idiomatischer
Redewendungen: "Einzahl, Mehrzahl, Rübezahl) und deren
stereotype Parodie

Stereotypen oragnsieren nur mehr
Mikrokontexte, nicht mehr den Makrokontext

--> Kaspar ist eben tot (Verlust
des Transzendenten)

Verstzstücke und deren Materialen
verweisen noch:

- auf ihre Verwendbarkeit

- aber iher Heterogenität fügen
sich nicht mehr in einen Verwendungszusammenhang ein

Ready-made

"objet trouve" Deauchamps

Unsinnsgedicht (vor allem Arp)

"Pyramidenrock": Herr Je
das Nichts ist Bodenlos, Frau Je das Nichts ist unmöbeleirt"

"Die Wolkenpumpe"

Semantische Unverbindlichkeit



Ursonate:

Sonatenhauptsatzform

Exposition

Durchführung

Reprise


Unterschied zur Konkreten Posie eines
Gomringer und Jandl:

Nicht das Material selbst wird thematisert,
sondern noch als Gestaltungsmittel belassen



(2840 mal gelesen) Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

Der aufgeklärte Absolutismus
Freigegeben von: Wolfgang Melchior am 06. 02. 2002
Der aufgeklärte Absolutismus


1.) Epochenüberblick:

1.1. Europa vor dem dem Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus:

1.1.1. Frankreich unter Ludwig XIV.
und die Reunionskriege:
- Devolutionskrieg gegen Belgien
- Krieg gegen Lothringen und dessen militärische Besetzung

2. Raubkrieg gegen die Geenralstaaten

Ziel. "Rückeroberung"
aller Gebiete Karls des Großen "legitimiert durch Reunionskammern

Frankreichs Innenpolitik:
Rekatholisierung des Landes
  • durch Benachteiligung der Hugenotten (Mischehenverbot, Berufsverbote)
  • durch Vertreibung der Hugenotten ab 1679
  • durch Aufhebung des Toleranzedikts von Nantes von 1598 im Jahre 1685 (Heinrich IV. von Frankreich: Gewissenfreiheit, staatsbürgerliche Gleichstellung der Reformierten, Katholizismus als Staatsreligion)

    1.1.2. Die Spanische Erbfolge:

    Habsburg und Frankreich Ansprüche
    wegen dynastischer Erbfolge

    England und Holland sahen ihre überseeische
    Handelshoheit durch ein Zufallen Spaniens an eine europäische
    Mittelamacht bedroht

    Spanischer Erbfolgekrieg 1701-1713:

  • 1. Plan Williams III. von England (Teilungsplan von 1698): Teilung Spaniens und Kurprinz von Bayern als Kronprätendant

    - neue Situation:
    a) Tod des bayer. KronprinzenJosef
    Ferdinand
    b) Karl II. von Spanien: Testament
    gegen eine Teilung. Ludwig XIV nimmt an


    Pietismus und Lutheranismus

    Protestantismus: hervorragende Stellung des Staates in klerikalen Angelegenheiten

    Das Prinzip des Terretorialismus:
    Leitung der Kirche ist keine spirituelle Frage, sondern eine Frage
    der terretorialen Macht und Integrität --> Landesherr
    ist nicht Notbischof, sondern Wahrer kirchlicher wie überhaupt
    religiöser Ordnung

    = Geistliches Regiment ist der
    Annex einer Terretorialgewalt


    Pufendorf zwei Thesen:

    1. Religionsfreiheit für jeden

    2. Beaufsichtigung der Konfessionen
    durch den Staat (Visitation, Inspektion = Ius circa sacra)



    2.) Die Priorität des Militärisch-wirtschaftlichen
    vor dem Religiösen: Klerus wird zum halbbeamteten Apparat

    Folge beider Tendenzen: "Steinkirchentum":
    Kirche zieht sich auf mystische und spirituell-scholastische Fragen
    zurück


    Pietismus:

    Speners "Pia desideria"
    von 1675

    Programmatik:

    1.) Subjektivierung

    2.) Aufgreifen von Problemen der
    Arbeitswelt: Erziehung zur Hygiene, schlichte Lebenshaltung

    3.) Armenhilfe (Francke)

    4.) Unabhängigkeit vom Staat:
    "weltweiter Reich-Gottes-Kapitalismus" Franckes

    2.) Der Begriff des aufgeklärten
    Absolutismus


    2.1. Gottesgnadentum und Souveränität
    (in nuce Staatsraison) - der Absolutismus


    2.1.1. Innenpolitik

    Herausbildung des Begriffes
    der Staatssouveränität durch Jean Bodin (in: Six livres
    de la République): Souveränität ist die "puisssance
    absolute et perpétuelle de la république"

    sie bedeutet:

    - unumschränkte Gesetzgebungsmacht
    (absolutistischer Legalismus)

    - Einheit von legislativer, exekutiver
    und judikativer Macht

    - da der souveräne Herrscher
    Gottes Abbild ist, kann er nur das Rechte wollen, weil Gott durch
    ihn will.

    - jedoch dadurch: Verantwortung vor
    den Gesetz Gottes und der Natur

    - Zentralismus: Zentralisierung von
    Macht

    Grenzen:

    - Organisationsgrad des Staates (Bürokratie,
    Provinzen)--> Deligierung von Macht an Zwischengewalten (Adel,
    Kirche, Städte)

    - Thronfolge/dynastisches Recht:
    Primogenitur, eheliche Kinder

    - christliche Gebote und die Selbstverpflichtung
    des Herrschers.


    2.1.2. Außenpolitik

    nach dem Westfälischen Frieden:
    Religion nicht als Impuls, sondern als Vorwand für einen
    "Staatsegoismus":

    - Expansionismus

    - Machtpolitik: Defektion als Erwartungszustand
    (Verträge sind Instrumente des Vorteils oder Höflichkeitsformeln),
    Nullsummenspiel (was dem einen nützt, schadet dem anderen)

    Absolutheit der Macht: bedeutete
    Unabhängigkeit von Ständevertretungen

    2.1.3. Merkantiles System (Colbertinismus)

    Reichtum = Besitz von Edelmetall
    (Gold)

    aktive Handelsbilanz: Exportüberschüsse:

    - Beseitigung von Binnenzöllen

    - Schutzzölle

    staatliche Wirtschaftslenkung -->
    Entmachtung der Zünfte durch Manufakturgründung bzw.
    deren Subvention

    Peupelierung: Geburtensteigerung
    und Einwanderung werden gefördert



    Naturrechtslehre: Grotius, Pufendorf

    Rationalismus: Leibniz, Wolff



    Gesellschaftl. Wandel:

    Beginn einer Auflösung der
    Ständegesellschaft:

    das preußische Landrecht: Adel
    noch der "Erste Stand im Staate", jedoch Adel war gebunden
    durch die Erlangung der höheren Offiziers- und Beamtenstellen
    durch Bestechung

    Geburtsstand --> Stellung im Staatsdienst

    Geburtsstand --> Qualifikation
    (meist universitär)

    Ausdruck der Säkularisiierung
    war die Bedeutungszunahme des Militärs (Offizierstracht Friedrich
    Wilhelms I.)

    allein der Bedarf an Offizieren führte
    zu einer Zunahme bürgerl. Offiziere (bes. im Siebenjährigen
    Krieg)

    dagegen Österreich: Bürgerl.
    im Offizierdienst wurden nachtr. geadelt


    Eine neue Öffentlichkeit und
    das neue Selbstbewußtsein der Intellektuellen:

    ´der öffentliche Vernunftgebrauch
    macht den einzelnen zum Weltenbürger gegenüber dem Staatsbürger,
    der den Privatgebrauch der Vernunft im Dienste desselben abverlangte
    (Kant) 1784

    Eindringen bürgerl. Intellektuellen
    in die Höfe

    Friedrich d. Große reagierte
    darauf: Gebildetheit wird zum Maß der Qualität eines
    Herrschers


    Aufgeklärter Absolutismus (Artikel
    in: Handbuch der politischen Ideen)

    AA ist ein Phänomen der zweiten
    Hälfte des 18. Jh.s

    drei Kräfte: die Freiheit des
    citoyen, die ständische Verfassung und der absolute Monarch

    1.) Das kontraktualistische Element

    Säkulariserung von Herrschaftlegitimation:
    Verantwortung vor Gott --> "rational erklärbares
    System sozialer und staatsrechtl. Formen" (v. Aretin)

    Selbstgeben von Herrschaft durch
    den freien Willen von Menschen

    Ziel: Wohlfahrt: "le bien-être
    du plus grand nombre"

    Staatsbürgerlichkeit: Fürst
    als Untertan des Staates

    2.) das paternalistische Element

    Friedrich II.:

    - Volk als "träge Masse",
    daher ist es nicht aktiver Entscheidungsträger, sondern Adressat
    obrigkeitsstaatlichen Handelns

    - organologische Metaphern:

    * Haupt und Körper als Monarch
    und Volk. Der Monrach muß für das Ganze handeln

    * Vater und Kinder

    - Rehabilitierung Machiavellis

    Joseph II: (Denkschrift über
    den Zustand der österreichischen Monarchie, 1765)

    - Dienstbarmachung der Indi




    Reformismus: Ausweitung staatlicher
    Tätigkeit auf viele Bereiche, die zuvor entweder ständisch
    intern geregelt wurden (Justizwesen, Religion, Landwirtschaft)oder
    überhaupt nicht (Bildungswesen)


    Expansionismus und Krieg:

    - Kriege werden aus Vaterlandsliebe
    und nicht aus Gründen der Vergrößerung der Hausmacht

    (patriotischer Ruhm statt persönlicher
    Ruhm)

    - Berufsheere

    - begrenzte Kriege mit engabgesteckten
    Zielen (siehe Friedr. Glkeichgewichtstheorie)

    Rechtssprechung:

    - Kodifizierung

    - Abschaffung der Folter

    - Vereinheitlichung und Vereinfachung:
    Ausrichtung an "Rationabilität und Verständlichkeit"
    und trotzdem Rücksicht auf provinzielle Eigenheiten (siehe
    Herder)


    ERZIEHUNGSLUST

    Schulwesen:

    - Maria Theresia: Einführung
    der Schulpflicht vom 6.-12. Lebensjahr (Volksschulgesetz von 1794)

    Kirche:

    - wird esrtmals zum Politikum, in
    dem Sinne, daß nicht die Kirche den Staat instrumentalisiert,
    sondern umgekehrt (siehe Maria Theresias Volksschulgesetz)

    - Verbot des papistischen Jesuitenorden

    - STAATSKIRCHENTUM: die Staatsgewalt,
    gerade Friedrich d. Großen, duldete keine Macht neben der
    eigenen:

    Auflösung kirchlicher Autonomie
    durch

    - Streichung von Feiertagen

    - Gründung einer geistlichen
    Hofkommission als neue Kirchenexekutive

    - Gründung von Bistümern

    - Ernennung zur Advocatrix eclessiae

    - Besteuerung des Klerus



    2.) Friedrich II.

    Person

    Schriften:


    Antimachiavell

    1. Quelle von Herrschaft:

    "was wohl freie Menschen bestimmen
    konnte, sich selber einen Herren zu geben":

    - Ruhe

    - Selbsterhaltung

    - Schutz des Eigentums

    Herrscher als Schlichter, aus der
    Mitte des Volkes, Interessenzusammenfasser

    kein unumschränkter Gebieter,
    nur der erste Diener des Staates

    Drei rechtmäßige Herrschaftslegitimationen:

    - durch Erbfolge

    - durch Wahl durch zur Wahl ermächtigte
    Völker

    - durch Eroberungen in einem gerechten
    Krieg

    2. Herrscher als Kriegsherr

    - wie Machiavelli: Haupt der strafenden
    Gerechtigkeit (Gewaltmonopol)

    - ehrfurchtsgebietend für die
    Generale, die nur auf ihren Ruhm bedacht sind

    - Displinarisch wirkend


    3. Ruhm

    Masse und aufgeklärter Mensch:
    Ruhm nach Schein vs. Ruhm nach Verdienst und Beweggründen

    Grenzen des Rechts

    Religion nicht als Deckmantel

    Seelengröße: Strafen hinter
    der Kränkung, Belohnung über den verdienst hinaus geben



    Außenpolitik:

    - keine Bündnisse mit Mächtigeren
    Partnern

    - keine Neutralität

    Erweiterung nicht allein durch Eroberung,
    sondern durch "zur Blüte bringen aller Werktätigkeiten
    und Wissenschaften", die "unschuldiger und gerechter
    ist und dabei genauso gedeihlich".

    Für das Leben notwendige Tätigkeiten:
    Landwirtschaft, Handel, Gewerbefleiß (Industrie)

    letztere bringt am meisten Gewinn
    und Nutzen (Berufung auf Merkantilistisches System: bringt Geld
    durch Zölle

    "Diese verschiedenen Mittel,...,
    sind der fürstlichen Weisheit anvertrauten Pfunde; der Fürst
    soll damit wuchern, soll sie nutzbringend anlegen." (S. 12)

    Zeichen für den Wohlstand: Stand
    der Künste und Wissenschaften

    "Wie die Weisen die Leuchten
    der Welt sind, so sollten sie eogentlich deren gesetzgeber sein"
    (S. 13): Wissenschaft und Kunst als Tugendbildner (nach Cicero)

    4. Ratgeber der Fürsten

    Zwei Arten von Fürsten:

    - Selbstregierende: Exekutive in
    ihrer Hand: alles geht durch ihre Hand; Minister sind Werkzeuge
    in ihrer Hand (Analogie zu Gott und deren Vollstreckern auf Erden)

    Minister nur Arbeitserleicherung

    - Ministerial eregierende Fürsten:
    gleichgültig, träge; Fürst "nur das Werkzeug
    seiner Minister"

    Minister werden zum best. Moment
    für das Wohl des Volkes


    daher: Kontrolle der Minister, Belohnung
    ihrer Treue (Tugend muß sich lohnen), Konstanz besser als
    dauerndes Auswechseln von fehlenden Ministern

    F. kennt nur zwei Arten: Minister
    für Inneres (hier gefragt: Redlichkeit) und Äußeres
    (Flexibilität)


    5. Diplomatie und der gerechte
    Krieg


    Ziel aller außenpolit. Aktivitäten:
    Gleichgewichte der Kräfte zur Aufrechterhaltung der Ruhe

    Krieg ist das letzte Mittel der Politik

    Wegen des Fehlens einer überfürstlichen
    Rechtsinstanz ist der Krieg das einzige Mittel zur Rechtssicherheit!

    Vier Arten gerechter Kriege:

    - Verteidigungskrieg

    - Bündniskrieg

    - Präventivkrieg

    - Krieg zur Aufrechterhaltung des
    Gleichgewichts






    Vergleich:

    Allg.:

    Friedrich II. Joseph II.

    Anerkennung regionaler Eigenheiten
    (P LandR) Hinwegsetzen über regionale Eigenheiten
    *Krone Ungarns

    *Einteilung in neue
    Verwaltungseinheiten)

    * Amtssprache deutsch

    Rechenschaft nicht nur Gott, sondern
    auch Rechenschaft nur vor Gott als Verkörperung
    eines höheren Vernunftprinzips


    vor dem Volk als der Sachverwalter
    ihres

    Vermögens


    Berücksichtigung ständischer
    Verfassungen staatsbürgerliche Gleichheit vs. despotischer
    Absolutismus

    Zentralismus:

    Unter einem Prinzip, Regeln, deren
    Einhaltung er Unter seiner Person

    überwachte (persönlich
    und via neugeschaffener

    Institutionen)

    abstrakt: Polizeistaat, überwachungsstaat
    persönlich: absolutes Regime

    Bauernfrage: Frondienst und Leibeigenschaft

    Kirchenrecht:

    Glauben ist Privatsache Glauben
    untersteht dem Staat: Staat hat Oberheit über die
    katholischen Kirche

    kaum Opposition in den

    Psychologische Unterschiede:

    unnachgiebig ungeduldig: paternatlistisches
    Moment öffentlich; während Maria Thereia ihren
    konfessionellen Reformkurs innerhalb von Institutionen
    durchsetzte, machte dies Joseph II. offen und gegen
    tiefverwurzelte Sitten


    Verwaltungswesen

    Neuanfachung eines Privilegienkampfs:
    Umverteilung

    nach neuen Kriterien:

    ausschlaggebender Faktor: Bildung
    einer Bürokratie mit

    neuem Kastengeist (normative Elite),
    relative Autonomie (Personalautonomie) und korporative Selbstbestimmung

    Kastengeist darf nicht mit einem
    bürgerlichen Selbstbewußtsein verwechselt werden, nachdem
    die Adeligen es verstanden, sich die höheren Verwaltungspositionen
    (Kammerpräsidenten, Landräte

    jedoch: Sinken des Funktionswertes
    des Adels, Adel definiert sich nicht mehr über ein erblichen
    Besitz von Privilegien, sondern über die Gewährung derselben
    durch den Fürsten und ihre soziale, d.h. berufliche Stellung
    (Titel)

    kulturelle Elite und Verdienstaristokratie

    Unzufriedenheit der Nichtadeligen
    ob ihrer Benachteiligung

    Ziel friderizianischer Politik war
    es

    - mit Hilfe der Bürokratie,
    das Junkertum in Schach zu halten

    - und gleichzeitig Bürokratie
    und Landadel gegeneinander auszuspielen

    repressiv: Weitere Benachteiligung
    der unteren Schichten

    Adel gegen Bürgertum = Antagonismus
    von adeligen und nichtadeligen königlichen Bedienten

    - Untertanengeist

    - Leistungsprinzip

    - Selbstachtung:

    * moralisch

    * politisch-staatstheoret.: Fürst
    war ihnen gegenüber verantwortlich

    keine bürgerrrechtliche Anerkennung
    (APL:

    natürliche (von Geburt an),
    aber Anerkennung

    Entfremdung des Autokraten

    - Personalverwaltung

    - verschleierte Opposition (negativ,
    obstruktivistisch):

    passiver Widerstand

    Wachsende Selbstbewußtsein
    und relative Eigenständigkeit

    Regierung hat zu Vollstrecken (executiren)



    Agrarpolitik:

    Stadt und Land: Landadel als Schwertadel

    Abschaffung der Erbuntertänigkeit:
    Fr. verspricht sich

    Freisetzung von Initiative, Landadel
    versus neuer Bürokratie

    jedoch: --> Einheitsfront gegen
    die Autokratie

    Regiebehörde 1786

    1748 Bauernschutzedikt: kein Bauerngut
    darf zu Rittergütern eingezogen werden

    In Schriften: humanitäres Ideal
    einer prosperierenden Bauernschaft

    In Praxi: nach 1763 Versuch, die
    Erbuntertänigkeit in Pommern zu beseitigen führte zu
    Eingaben und Beschwerden des Landadels, daß eine solche
    nicht bestehe

    Dabei konnte sich der Landadel auf
    die Hilfe der Bürokratie (Landräte als Inspektoren,
    Kammerpräsidenten) verlassen, die z.T. unter bewußter
    Verdrehung von Tatsachen dem Junkertum das Wort redeten

    In Ostelbien bestand die Möglichkeit
    eines Freikaufes nur auf dem Papier (Entsatzzahlungen), nachdem
    der Staat den Bauern keine Unterstützung zusichern wollte

    Ergebnis: Festsetzung der Frondienste
    (zeitl. Beschränkung)


    Wirtschaftspolitik

    Progressive Einkommenssteuer

    Festhalten am Prohibitivsystem

    Domänen: Früher Teil des
    Fideikomisses der Dynastie, jetzt Staatseigentum für Einkünfte
    und Nutzungen

    Förderung des Handels durch
    Kantonalspflichtbefreieungen von Handelszentren

    Verwaltungsstellen: Kriegs- und Domänenkammern

    Regie


    Kriegspolitik:

    Kantonreglement (1733): Rekrutierung

    mit bis zu 10 Monate Urlaub

    direkte Steuer (Contribution) indirekte
    Steuer (Akzise)

    70% der Staatsausgaben

    25% Soldaten in Berlin, bis zu 20%
    in anderen Grostädten

    Nobilität war Schwertadel, kein
    Verkauf von Adelstiteln

    König als oberster Kriegsherr
    (Polit. Testament 1752)

    Adelsschutz = Offiziersschutz Soldatenschutz
    = Bauernschutz


    Rechtspolitik

    Naturrechtslehre als Grundlage

    Trennung von Gesetz und Herrschaft,
    welches ihr übergeordnet ist

    Der Fall Müller Arnold:

    Ziel einer Kodifizierung: Vereinfachung,
    Verständlichkeit, Verkürzung und staatsbürgerliche
    Gleichstellung im Sinne einer Rechtssicherheit und Appelationsmöglichkeit

    Friedrich hegte Mißtrauen gegen
    alle korporatistische Expertenkultur der Justiz, diese hatte vor
    allem die Reibungslosigkeit von Geschäften zu garantieren
    und die Ordnung aufrechtzuerhalten

    a) Strafrecht: Humanisierung (1),
    Billigkeit, Verhältnismäßigkeit (2), Säkularsierung
    (3)

    (1) Abschaffung der Folter, keine
    Ächtung von Knastis

    Ziel des Strafrechts: nicht "Correction"
    (moralisch-religiös), sondern Abschreckung oder Vergeltung,
    aber durchaus mit sozialpräventiven Absichten

    (2) Einschränkung der Todesstrafe
    auf Kardinaldelikte


    Sozialpolitik

    Erhalt der adeligen Vormachtsstellung:

    APL und bereits 1740:

    Anweisung an Beamte Adelige nicht
    zu belästigen, Schutz ihres Besitzes, da sie dem Schutz und
    dem Erhalt des Landes dienen

    1752 (Polit. Testament): Aufgabe
    des Souveräns ist der Schutz des Adels, den als Juwel in
    seiner Krone bezeichnet

    Verachtung für das Volk

    die Umverteilung von Rittergitsbesitz
    in die Hände von Neureichen beendete er mit der Ordre, daß
    kein Besitzübertragung ohne pertsönliche Genehmigung
    zu erfolgen habe

    Jedoch: das neue Leistungsprinzip
    setzte den Adel unter Druck

    viele Bürgerliche konnten sich
    darauf berufen, durchFleiß und Pflichtbewußtsein mehr
    für den Wohlstand zu tun als der alteingesessene Junkeradel



    Entwicklung in Friedrichs Herrschaft:

    1740 humanitäre, unter dem Eindruck
    der Studien entstandene

    Entscheidungen:

    - Antimachiavell: Kontarktualismus

    - Justizpolitik: Abschaffung der
    Folter, Instanzenweg

    Antiklerikalismus: 1752 (polit. Testament)
    als Antipapsimus und

    Rationalismus, "Papst der Lutheraner"


    Wohlstandsstaat





    Drei Staatsbegriffe:

    1.) Wohlfahrtsstaat: das Wohlergehen
    der größten Zahl

    2.) Staat als Machtapparat:

    Joseph II. Denkschrift: Militärstaat,
    Finanzstaat und Politikstaat

    Untertanen sind "primerier objet",
    Interesse des Staates am Individuum ist seine Verwendbarkeit

    3.) Staat als politische Gemeinschaft:
    Regent ist verpflichtet gegenüber:

    - les sujet im Sinne von les particulier
    (Untertanen)

    - dem Kollektiv: les peuple, la nation

    - dem Staat (l´Etat)

    - später: la patrie

    dabei ist die systematische Spannung
    zwischen Einzelinteresse als l´amie propre (!) und Gesamtwohl,
    dessen balance der Fürst zu erreichen hat, aber: Primat des
    Gesamtinteresses

    Im Fürsten laufen Einzel- und
    Gesamtinteresse zusammen (Verkörperung desselben)

    dabei gehen deskriptive mit normativen
    Ansichten durcheinander:

    1.) Pflichtgedanke: der einzelne
    hat dem Gesamtwohl (Staat) zu dienen

    2.) Identität von Einzel- und
    Gesamtinteresse: Gegenseitige Abhängigkeit (Oragnische Metapher)

    3.) Konfliktfall: Regent hat balance
    zu suchen

    vergleiche: Rousseausche Differenz
    von volounté génèrale und volounté
    de tous







    Konzept für mündliche Prüfung

    1. Der Begriff des aufgeklärten
    Absolutismus

    a) Entstehung (historiographisches)

    Roscher 1847: AA als höchste
    Form des Absolutismus

    a) Zeitliche Verortung


    Konzepte:

    Machtaspekt:

    1.) Als Verfallserscheinung des Absolutismus:

    Der Versuch absolute Macht gegenüber
    einem staatsbürgerlichen Selbstbewußtsein aufrechtzuerhalten,
    führte zur Abtretung wesentlicher monarchischer Verfügungsgewalten.

    Marxistische Interpretation:

    - entweder als Täuschungsmnöver,
    Untergeordnetheit unter die großen Epochen (übergangsphänomen)
    oder

    - als Verspätungsphänomen:
    Kompromiß zwischen rückständigen sozioökonomischer
    Entwicklung: feudale Bürgerlichkeit ohne bourgeoise Züge
    (Phasenverschiebung): AA ist die Errichtung eines polit. überbaus
    ohne ökon. Basis zum Zwecke der Nachholung

    Lefebvre: geistreiche Spielerei

    2.) Als höchste Form des Absolutismus:

    Instrumentalistische Kategorien:
    Zentralisierung und Rationalisierung in Verwaltung und Militär
    vergrößerte sich die monarchische Machtfülle.
    Durch das pers. Regiment war die Entscheidungsgewalt immer noch
    in Händen des Monarchen

    3.) Herders Geschichtsdialektik:
    Absoltismus ist der notwendige Umschlagpunkt zu seiner Beseitigung.
    AA wird zur Fessel d. bürgerlichen Gesellschaft, der Absoltismus
    enthüllt erst die Schwächen des monarchischen Prinzips
    durch das Zulassen von Leistungsgesichtspunkten

    Entmündigung und Anreiz zur
    Eigeninitiative prallen aufeinander,


    Die zwölf Thesen von v.
    Aretin


    1. Veränderter Selbstverständnis
    des Herrschers: vom Gottesgnadentum hin zu einem Herrscher als
    pflichtbewußtes Vorbild (selbstbeschränkte Willkür)

    2. Reformismus ist grenzenlos -->
    Konflikt mit ständischen und individuellen Freiheiten

    3. Gegenseitige Instrumentalisierung
    von Aufkläreren und AA: AA ist Aufklärung, die Macht
    in praxi besitzt

    4. Appel an Pflichtgedanken ist ideologisch
    brüchig (Kodifikationismus, aber nicht Konstitutionalismus)

    5. Als praktisches Phänomen

    6. Nachholphänomen für
    kapitalistische Reformen

    7. Reformkatholizismus als revolutionäres
    Sonderphänomen

    8. Revolution von oben als Tradition
    (Lheritiers These der Kontinutät zum Faschismus)

    9. Sozialer Wegbereiter des Bürgertums,
    jedoch Konservierer von Adelsrechten: Grund: der Mangel an reformfreudigen
    Bürgerlichen (ökonom. Unterentwickeltheit) führte
    dazu, daß der Regent keine polit. Partner im Reformkampf
    hatte

    10. Gegenseitiger Ausschluß
    von A und AA: "Bündnis auf Zeit", der im Konstitutionalismus
    enden mußte

    11. Widerspruch zwischen A und AA:
    individuelles und etatististisches Freiheitsideal, Fehlen einer
    rev. Schicht, keine politische Mitbeteiligung

    12. --> Grund für den Kampf
    gegen Jakobinismus



    Realisierungsaspekt:

    Widersprüchlichkeit: paternalistisches
    und kontraktualistisches Element, Theorie und Praxis, persönliches
    Regiment und Freiheit (Sprengkraft d. Absolutismus), durch die
    Rationalisierung des zunehemnd komplexer werdenden Verwaltungsstaates
    wird der Staatsbegriff selbst zunehemnd weniger personal, sondern
    anonym (Zeichen dafür: Bürokrtismus in Preußen)

    keine bürgerliche Bewegung,
    jedoch mit bürgerl. Forderungen

    Grund für Dauer:

    - Naivität d. Aufklärung
    und Selbstüberschätzung intelleketueller Meinungsäußerung:
    öffentl. Meinung als Gegengewicht. despotische Allmacht

    - Widersprüchlichkeit der Aufklärung
    selbst: individualistischer (Kant, Rousseau) vs. traditionalistischer
    (ständische und nationale FreiheitenMöser, Moser) vs.
    elitaristischer (les philsophes) Zug

    - Konstitutionalismus: einmal im
    Sinne einer Rationalisierung (Vereineheitlichung; "Staatsplan),
    zum anderen als verpflichtender Kodex staatsbürgerlicher
    Gleichheit


    Säkularierungsschub: Abrücken
    von Gottesgnadentum, Hinwendung zu einem Prinzip der Staatsraison,
    Terretorialprinzip statt dynastisches Prinzip (Friedrichs Machtpolitik
    vs. Ludwig XIV Reunionskriege), Legitimität von Herrschaft
    wird begründet (Schriften, Kodifizierung), Prinzip der Verantwortung
    für die Untertanen (Selbstverpflichtung zur Gegenleistung
    im Sinne einer Fürsorgepflicht), Toleranz, Pragmatismus und
    "Utilitarismus" (Sachverwalterprinzip)

    Sonnenfels: Forderungsrecht nach
    bestmögl. Wohlstand, Leistungsprinzip

    aber: keine Gewaltenteilung, keine
    Trennung von Staat und Gesellschaft; keine Anerkennung exekutiver
    Beschränkungen (Ablehnung d. Sonnenfelsschen Fundamentalgesetzes
    durch Joseph II.), keine Kümdbarkeit des Vertrages (Holbach)


    Physiokartaismus als Zeichen dieser
    Widersprüchlichkeit: "Revolution durch die absolute
    Monarchie"

    Rücknahme vieler Entwicklung
    spricht

    - für seine Fälligkeit

    - für die Veraltetheit und Eingeseßenheit
    der ständischen Strukturen


    REFORMEN JOSEPHS II.

    Verwaltungswesen

    Universalsommerzdirektion: Koordination
    zur Reetablierung Habsburgs, Einheitlicher Wirtschaftsraum

    Verwaltung: Haugwitzsche Reform

    Modell: Friedrichs Besteuerungssystem
    in Schlesien

    Macht Österreichs: nicht durch
    einen zentralen Interventionimsus auf lokaler Ebene, sondern durch
    ein dynastisches Prinzip, welches sich im Inneren auf Adel und
    Kirche stützte.

    Kennzeichen: Provinzialismus und
    Partikularismus

    Angriff der reform: Oberste Justizstelle
    zur Errichtung eines Stehenden Heeres mit konstanter Truppenstärke

    Direktorium (in Publicis et Cameralibus):
    "Direktorium"

    in den Erblanden: Deputationen, später:
    Repräsentationen und Cammern

    Mängel im Hinblick auf eine
    Zentralisierung:

    - Contribution oblag immer noch der
    Zustimmung der Landgutsbesitzer

    - Ausschluß von Ungarn, Belgien
    und Lombardei

    - Kath. Besitz blieb unangestatstet

    ab 1760: Staatsrat und die Zeit von
    Kaunitz´

    Repräsentationen werden zu Gubernien
    umbenannt.


    Religionspolitik

    Allgemeines

    Maria Theresia, seine Mutter von
    1740-1780 Regentin

    von 1765 bis 1780 Mitregent

    Das Reich Wirtschaftsgeographisch:
    angrenzend an Länder mit regem Außenhandel (Holland
    und England) einer aggressiven merkantilistischen Politik (Frankreich)
    oder einer präkapitalits. Politik (England) und nahezu keinen
    Absatzmarkt im Osten (Polen)

    Verwaltungsreform: Ziel: Wohlstand
    erhöhen, dazu Peupelierung der Städte des Handels

    Schaffung von Kapitalräumen

    - Hofkanzlei

    - Hofstellen auf 6

    - Staatsrat als Koordinator

    Erziehungsreform: Auflösung
    des Jesuitenordens 1773 und

    Der Begriff der religiösen Minderheit:

    von 8,5 Mio Einwohnern sind

    - 1,9 Mio gr.-orthodox

    - 1,5 Mio Reformierte

    - 0,6 Mio Lutheraner

    - 0,5 Mio gr.-katholisch

    - 0,08 Mio Juden

    Rest: römisch-katholisch

    Augsburger Friede 1555: freie Religionswahl
    des Fürsten, jedoch noch mit regio-religio-Prinzip.

    Abschwächung d. religiösen
    Konflikts der christl. Konfessionen:

    - Außenpolit. Kriege und die
    Notwendigkeit protest. Verbündeter (England und Holland im
    Span. Erbfolgekrieg=

    - Türkenkriege

    Kryptoprotestantismus in Habsburg:
    Protestant = Staatsfeind (prueßische Gefahr)

    BücherSchmuggel und Vertreibung
    -> Bildung des Regensburger Blocks (ausgewanderte öst.
    Protestanten)

    Asylländer lieferten nicht mehr
    zurück aus.

    aber: teilweise Religionsfreiheit
    wegen Sysmmetrie (Religion als Druckmittel)

    1.) Maria Theresia

    1769 concessus in publico ecclesiasticis:

    - Isolierung der Inlandskirche von
    Rom

    - Exequatur (Zensur von Erlassen
    ausländischer Ordniarien)

    Beschränkung kirchenhoheitl.
    Rechtssprechung: Exkommunikation, Verbot von Kirchenstrafen (kein
    Kirchenkerker), Beschränkung d. kirchl. Asylrechts


    ab 1768 Aufhebung der kirchl. Steuerexemtion,
    Auflösung von Ordensprovinzkassen --> Verhinderung von
    Geldverschleppung

    Erhöhung des Ordenseintrittsalters
    auf 25

    ab 1769 Klosteraufhebungen

    ab 1753 Kampf gegen Jesuitische Schuldominanz
    und Kirchenzensur

    gipfelt 1773 in der Aufhebung des
    Jesuitenordens auf Druck der reformkatholischen europäischen
    Fürsten durch Klemens XIV.

    1754/1771 Aufhebung kirchl. Feiertage
    mit päpstlichem Einverständnis


    2.) Joseph II.

    Umgestaltung des concessus zur Geistlichen
    Hofstelle, die an die Vereinigten Hofstellen angeggiedert war

    Kirchenpolitik: alles, was nicht
    Glaubensfragen oder Intrena betrifft

    Tradition von Kaunitz und Swieten



    13. Okt. 1781 Toleranzpatent (am
    20. 10. öffentliches Zirkular):


    Unterschied zur Mutter: sie warf
    ihm religiösen Indifferentismus vor

    Ziel der Toleranz:

    - humanitär: in Gluabensfragen
    (religiöse Glückseligkeit) kann es keine Verordnetheit

    - Nutzen für das Staatswesen:
    bürgerliche Gleichheit (Ausdruck: BüRGER!)

    Inhalt:

    - Gewährung nur privater Religionsausübung

    - weiterhin Verbot von Sekten (Deisten)

    - Kirchengründung f. mehr als
    100 Leute, jedoch ohne Turm und Eingang zur Straße

    - !! staatsbürgerliche Gleichstellung:
    Berufsfreiheit, Freizügigkeit

    Kriterium für Tauglichkeit f.
    Dienste nicht Religionszugehörigkeit, sondern Rechtsschaffenheit

    Folge: Zunahme der heimlichen Protestanten

    2.1. 1782 Judenpatent

    - Zugang zu Universitäten

    - Aufhebung des Leibzolles (einer
    Art Schutzzollerpressung)

    - gleiche Besteuerung

    - Berufsfreiheit

    - Zulassen eigener Schulen (Normalschulen)

    - Kleidervorschriften und Namnesvorschriften
    (keine Diskriminierung)

    Ziel: Emanzipation durch Assimilation,
    Kontrolle


    Klosterreform

    Religionsfond, gespeist aus Versteigerungen
    von Kirchenvermögen

    Ordensaufgaben (nach Erlassen): Seelsorge,
    karitative Aufgaben ("nützliche Aufgaben")

    in Bezug auf Schule und Wirtschaft")

    Kaiserliches Dekret von Sept. 1782:
    Schaffung neuer Pfarreien (640 neue Seelsogestellen)

    Einkommensregelung für niederen
    Klerus

    Ziel: Förderung kleinerer Einheiten
    zugunsten größerer (divide et impera!)

    1. Febronianismus (nach Pseudonym
    d. Trierer Weihbischofs v. Hontheim "De statu ecclesiae et
    legitima potestate Romani pontificis):

    Episkopalismus, Verbot der Exemtion,
    der Jurisdiktion der Nuntien

    2. Jansenismus:

    in Opposition zur Gegenreformation,
    Gottesgnadenlehre, patriarchale Orthodoxie

    3. Ausbildung oblag staatl. Generalseminaren:


    - Unterweisung in religiöser
    Toleranz

    - praktische Ausbildung in Landwirtschaft
    (Seelsorgeraufgabe ist " eine aufklärende Tätigkeit



    Innerkirchliche Reformen:

    - Ausrichtung der Diozösen nach
    Verwaltungseinheiten (landesgrenzen)

    - Antibarocke Ausrichtung: Verbot
    von Lokalriten und Prozessionen, Auslandswallfahrten, Beschränkung
    von Andachten, Gottesdiensten, Liatneien usw. --> neue Kirchenordnung
    rief Unwillen und Aufstand des Volks (1789/90)hervor, die oft
    alte Gebräuche offen und stillschweigend, zum Teil mit Duldung
    der Kreisämter wieder einführte (Herausregend: Dornbirnscher
    Aufstand)

    - Kirchenkampf: Auslegungsprimat
    aufgeteilt zw. Pfarrern und Kreisobmännern, Verkündigung
    der Erlässe von der Kanzel

    - Auflösung von Bruderschaften:Zusammenlegung
    zur Schaffung eines großen Sozialwerkes":

    öffentliche Almosenverteilung,
    zentrale Stiftungskommission (unter Graf Buquoi)

    Ziel: aufklärerische Idee der
    Befreiung des einzelnen vom Aberglauben (Kantisches Ideal)


    Bottom line: Isolierung der Bischöfe
    und Zuweisung der Kirche als Ordnungsfaktor Sittenlehre) und sozialkaritative
    Einrichtung, Stärkung lokaler Einheiten, finanzielle Trennung
    von Kirche und Staat (Kirchenfond), Ausbildung verstaatlicht (Generalseminare),
    Toleranz zum Zwecke der Freisetzung wirtschaftlicher


    Josephinismus im überblick:

    Einengung auf Kirchenpolitik unangemessen

    Interpretationen:

    1. Winter: Zurückführung
    der Kirche auf ihre res spiritualia (Sakramente, Lehre und Predigt),
    dogmatische Dominaz des Katholizismus bleibt unberührt

    Mangel: Unerklärtheit der "übergriffe"
    auf die Interna der Kirche (s.o.)

    2. Maaß: Zurückdrängen
    der Kirche auf geistlich-privaten Bereich und trotzdem Kompetenzüberschreitung,
    die sich mit dem Toleranzgedanken nicht veträgt

    3. Betonung der wirtschaftlichen
    Liberalisierung

    4. Bradler-Rottmann: Laizismus

    Maria Theresia und Hofrat Heinke
    in einem

    Gutachten von 1769:

    - Ius sepremae inspectionis

    - Ius reformandi et extinguendi

    - Ius puniendi

    Kaunitz´ Geheiminstruktion für
    die Landesfürsten:

    - Beschränkung des Sacerdotiums
    auf das, "was Christus selbst seinen Aposteln übergeben
    hat"

    - Predigt, Christenlehre, Gottesdienst,
    Sakramente, innere Disziplin

    - freie Gewährung und Entzug
    von Privilegien

    - Konzile und Konones haben keine
    verpflichtende Kraft weder für Fürsten noch für
    das Volk

    - Ausübung der dogmatia nicht
    willkürlich und unabhängig

    5. Joseph II. persönliche Religiösität:
    streng, vernünftig, moralisch, innerlich

    In Habsburg war eine Staatsraison
    nur über die Bildung eines überkonfessionellen, d.h.
    mehr staatsbürgerlichen Bewußtseins möglich

    Valjavec: Preußen nicht nur
    Anregung, sondern auch Bedrohung: preuß. religiöse
    Toleranz war adaptiver gegenüber neuen Gebieten (Machtpolitik)
    und kulturell flexibler.

    Joseph II. Wohlfahrtsideal war individualistischer
    (größtes Glück der größten Zahl) als
    Friedrich II., der seine Untertanen oftmals als Hemmnis aufgeklärten
    Regententums ansah

    auch dort: Staat als Wohlfahrtsorganisation
    und Mahctapparat

    Friedrich blieb oft in der Theorie
    stecken (starke Theorie-Praxis-Trennung), während Joseph
    einen theoriefernen, dafür praxisnahen Weg wählte.

    Joseph II krankte durch das persönliche
    Regiment an den gleichen Symptomen wie Friedrich II.: Mißtrauen
    gegenüber dem selbstgeschaffenen Apparat, Umschwung beim
    Aufkommen des Jokabinismus (Verschärfung der Zensur, Neuorganisation
    der Geheimpolizei)


  • (4862 mal gelesen) Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

    Login
    Mitgliedername

    Passwort

    Kostenlos registrieren!.
    So kannst du an den Diskussionsforen, dem Essaybereich und den Umfragen teilnehmen.

    Kategorien
    · übersichten (22. 08. 2003)
    · Aufsätze/Einführungen (30. 03. 2004)
    · Aufsätze/Papers (22. 08. 2003)
    · Bibliografien (01. 04. 2004)
    · Skripts/Thesenpapiere (22. 08. 2003)
    · Web-Literatur (05. 02. 2002)

    Mitglieder online


    Du bist ein anonymer Benutzer. Du kannst dich hier anmelden

    0 Mitglied(er) online.
    1 Gäste online.

    Letzte Forenbeiträge
      Generique Viagr...
      Svfavtfe|http:/...
      Acheter Tetracy...
      Acheter Kamagra...
      Fcygbqy Npfrwnn

    Visit our Forum

    Umfrage: Poll
    Wie gefällt euch/Ihnen diese Site (in Schulnoten)?

    1
    2
    3
    4
    5
    6


    [ Ergebnisse | Umfragen ]

    Votes: 84 | Kommentare: 0

    [Die Philosophie Page]
    [eMail]
    [Disclaimer]
    © Copyright: Wolfgang Melchior, 1997-2013